> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 12. Dezember 2015
 

Rege Debatte um Thema Asyl

Unesco-AG der Jörg-Zürn-Gewerbeschule veranstaltet Podiumsdiskussion

Überlingen – Eine spannende Diskussion zum Thema Asyl gab es an der Jörg-Zürn- Gewerbeschule. Gut informierte Schüler formulierten gute Fragen. Gar nicht auf einer Linie lagen die Politiker Martin Hahn (Die Grünen) und Annette Groth (Die Linke). Mit ihr werde er nicht mehr an einer Veranstaltung teilnehmen. Das sagte ein erboster Martin Hahn (Grüne) zu Annette Groth (Die Linke). Streit unter Politikern: Auch das erlebten die Jörg-Zürn-Gewerbeschüler, Lehrer und Gäste im rappelvollen Musiksaal der Unesco- Projektschule bei der Veranstaltung zum Thema „Asyl – ein Menschenrecht! Hilfsbereitschaft ohne Grenzen?“ am Donnerstag. Bei 600 Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland sei bisher nur ein Täter verurteilt. Daher habe sie den Eindruck, dass hier zu lasch ermittelt wird, sagte Groth, die als Menschenrechtspolitische Sprecherin für die Linken im Bundestag sitzt. Diese Aussage war es, die zu einem kleinen Eklat führte und den Grünen- Landtagsabgeordneten Martin Hahn so auf die Palme brachte. „Das ist unter aller Kanone und fast unanständig, eine Unterstellung an die Justizbehörden“, ereiferte sich Hahn. Auslöser war eine der Fragen gewesen, mit denen sich die Schüler der Unesco-AG der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Überlingen auf die Podiumsdiskussion vorbereitet hatten. 

Unter der Überschrift: „Haben Politik und Wirtschaft eine Mitschuld an den Fluchtursachen?“ fragte Schüler Tim Hartmann ganz direkt nach Mitteln und Wege, um solche Anschläge zu verhindern. Für Udo Pursche, dem Leiter der Überlinger Diakonie, der neben Andreas Hüve von Amnesty International das Podium komplettierte, stand fest: „Nur Wissen und Aufklärung hilft gegen Dummheit und Gewalt.“

Peter Gött, Unesco-Schulkoordinator der Schule, hatte in seiner Einführung auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (International Bell of Human Rights) der Uno von 1948 hingewiesen. Das freie Recht auf Arbeit und Bildung sei darin ebenso verbrieft wie auch unter anderem das Recht auf Frieden.

Fabian Scholz, ebenfalls Schüler der Unesco-Arbeitsgemeinschaft, formulierte seine Frage kritisch: „Warum werden denn Menschen aus Nicht-EU-Staaten bei der Arbeitssuche in Deutschland benachteiligt?“ Dazu die Antwort von Martin Hahn: „In Deutschland hat nahezu jeder Jugendliche einen Ausbildungsplatz und wir sind da quasi der Stern am Himmel über Europa.“ Er sah daher keine großen Probleme bei diesem Thema.

Probleme überall sieht Annette Groth. Sie erzählte den Schülern von ihren Reisen in die




Annette Groth, Martin Hahn, Andreas Hüve, Udo Pursche, Dr. Peter Gött und Schüler Fabian Scholz bei der Podiumsdiskussion der UNESCO-AG an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule.
Fotos: Stef Manzini

Flüchtlingslager und an die Grenzzäune auf der so genannten Balkanroute. Sie sei, nach eigener Aussage, die einzige deutsche Politikerin, die Anfang September dort gewesen war und habe noch nie so viel Elend und weinende Kinder gesehen. Deutsche Waffenexporte und Kriegseinsätze der Bundeswehr, Freihandelsabkommen und die Rolle Israels nannte sie als Gründe für die Not der Menschen auf der Welt, die zu den Flüchtlingsströmen führten.

Auf Benjamin Stephans Frage nach einer Terrorgefahr, zum Beispiel bei Festivals in Deutschland, antwortete Hahn: „Das ist eher ein französisches Problem, die Täter waren ja Franzosen, wir kümmern uns hier besser um unsere Jugend.“ Veranstaltungen wie diese seien es, die verhinderten, dass Intoleranz und Gewalt gegenüber den Flüchtlingen herrschten, so Udo Pursche, seit 40 Jahren in der Flüchtlingsbetreung tätig.

Podium, Lehrer und Gäste zeigten sich im Anschluss der Veranstaltung tief beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und guten Kenntnis der Schüler zur politischen Lage. Leider habe man keine eigene Aula, die hätte man an diesem Tag mühelos gefüllt, so Schulleiter Stefan Wunder.


Stef Manzini, Südkurier Überlingen, 12.12.15 nach oben