> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 17. November 2014
 

Mahnung soll lebendig bleiben

Würdige Gedenkfeier am Volkstrauertag - Volksbund: Soldatengräber sind Prediger des Friedens - Schüler berichten von Friedensarbeit in Polen

                

 

Sie gestalteten die Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Überlinger Friedhof. Neben der Skulptur des Auferstandenen stehen (von links): Lehrer Hubert Gobs, die Schüler Jonas Gut und Bernd Fischer, Eckard Schulz vom Volksbund und Dekanin Regine Klusmann.  
Bild: Fritz
      

 

Überlingen – Als Prediger des Friedens hat Eckard Schulz vom Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge gestern am Volkstrauertag die Soldatengräber bezeichnet. Bei der Gedenkfeier auf dem Überlinger Friedhof betonte er die Notwendigkeit, über die Folgen der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, des Ersten Weltkriegs (1914-18), zu reden. Sie habe zu den millionenfachen Opfern durch Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus geführt. Schulz' Appell: „Die Millionen Gräber meist junger Menschen müssen sichtbar bleiben als Mahnung an uns alle und an die folgenden Generationen.“

Die beiden 17-jährigen Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Jonas Gut und Bernd Fischer trugen ihre Gedanken und Erfahrungen über ihre Jugendbegegnung in Polen vor, die sie zusammen mit ihrem Lehrer Hubert Gobs in diesem Jahr auf den Friedhöfen bei der Stadt Elk machen konnten. Mit ihrer Friedensarbeit wollten sie Bewusstsein schaffen im Kopf, im Herzen und erlebbar mit ihren Händen. Neu war, dass bei der Gedenkfeier statt Chorbeteiligung zwei Musikstücke vom Band eingespielt wurden: Marlene Dietrichs bekanntes Lied „Sag mir, wo die Blumen sind…“ und Hannes Waders, „Es ist an der

Zeit“. Die Stadtkapelle unter der Leitung von Ralf Ochs spielte das Lied vom Guten Kameraden und einen Choral. 

Dekanin Regine Klusmann erinnerte daran, dass der Verlust so vieler Menschen verletzte Seelen bei den Überlebenden hinterlassen habe. Sie zitierte die Meditation „Auferstehung“ aus dem Buch des in diesem Jahr verstorbenen Stadtrats Eberhard Pross, die sich mit der Bronzeskulptur von Werner Gürtner an der Friedhofskapelle befasste. Diese zeigt den auferstandenen Jesus in Gestalt eines von der Nazidiktatur Geschändeten. Pross interpretierte sie so: „Hier fordert uns ein zu Tode Gefolterter heraus. Er lebt und verlangt unerbittliche Genugtuung für die Gemordeten des 20. Jahrhunderts durch gemeinsame Trauerarbeit“. Für Dekanin Klusmann ist die Vision des Friedens in den Worten des Propheten Micha zeitlos gültig zusammengefasst: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.“ Eckard Schulz und Oberbürgermeisterin Sabine Becker legten Kränze bei der Skulptur nieder. Die Stadtkapelle intonierte zum Schluss die Nationalhymne. Bei dem Stollen in Goldbach gedachte man anschließend der Toten des KZ-Außenlagers.


Lothar Fritz, Südkurier Überlingen, 17.11.14  nach oben