> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 27. August 2015
 

Schüler pflegen Soldatengräber

Jugendbegegnung im bulgarischen Sandanski - 
Auseinandersetzung mit der Geschichte vor Ort

21 Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule haben im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung gemeinsam mit bulgarischen Schülern Soldatenfriedhöfe in Bulgarien gepflegt.
Bild: Gewerbeschule

Überlingen – Es handelt sich mittlerweile um einen Klassiker der Jörg-Zürn-Gewerbeschule: Seit mehr als 20 Jahren fahren Schüler am Ende des Schuljahres für zwei Wochen in osteuropäische Länder. Dieses Mal haben 21 junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung Soldatenfriedhöfe in Bulgarien gepflegt. Die Aktion erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Gleichzeitig wurde die Gewerbeschule ihrem Auftrag als Unesco-Projektschule gerecht. Finanziell unterstützt wurde die Reise vom Förderverein der Gewerbeschule.

Nach Darstellung von Hubert Gobs, neben Ralf Hübner und Thomas Busch einer der begleitenden Lehrer, wurden gemeinsam mit jeweils fünf Schülern der Partnerschule aus Varna am Schwarzen Meer und aus Sandanski in Südwestbulgarien deutsche Soldatenfriedhöfe in Marino Pole, Petrisch und Sandanski sowie ein Fliegergrab in Roschen renoviert und gepflegt. Die Gruppe besuchte die griechische Gedenkstätte Kerdyllia, wo die SS im Zweiten Weltkrieg die männliche Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 65 Jahren erschießen ließ. Gewandert wurde auf dem von der Jörg-Zürn-Schule im Jahr 2000 angelegten internationalen Friedenspfad im Pirin-Gebirge, auf dem verwitterte Wegweiser erneuert und ausgetauscht wurden. Hubert Gobs hatte die Schilder zuvor in der Schule gefräst, vor Ort wurden Schriftzüge aufgetragen und mit einer witterungsbeständigen Lasur versehen. Die Wegweiser sind jetzt nicht nur in bulgarischer und deutscher Sprache, sondern auch in Englisch versehen.

Ergänzt wurde die Arbeit durch verschiedene Workshops nicht nur zum Thema Frieden, sondern auch um die Kultur der Gastgeber, deren Sprache, Bräuche und nicht zuletzt die Gastgeber selbst kennenzulernen. So waren die jungen Leute beider Länder in Varna und Sandanski gemeinsam untergebracht. „Es war eine tolle Erfahrung für unsere Schüler, Gleichaltrige eines anderen Landes kennenzulernen. Sie haben sich mit der 

Im griechischen Kerdyllia trafen die Schüler den Zeitzeugen Panajotis Ziangas (links).
Bild: Gewerbeschule
     
Geschichte vor Ort auseinandergesetzt, die ein Unterricht nicht vermitteln kann“, sagte Gobs.

Die vollbrachte Arbeit wurde mit einer von den Schülern gestalteten Abschlussveranstaltung auf dem Soldatenfriedhof in Sandanski gefeiert, an der auch Rosalin Schmiech, Kultur- und Pressereferentin der Deutschen Botschaft in Sofia, teilnahm. Sie sagte, um die Vergangenheit zu verstehen, müsse man sie „be-greifen“ können. Durch die Gräber werde das, was man sonst nur in Geschichtsbüchern lese, konkret fassbar, „ein wichtiger Beitrag dazu, eine aktive und lebendige Erinnerungskultur zu pflegen und zu fördern“. Dass die Gewerbeschule internationale Jugendbegegnungen schon seit 1993 vornehme, sei ein Zeichen dafür, dass Verständigung und interkulturelles Lernen und Engagement ein Ziel sei, das sich auch dann noch zu verfolgen lohne, wenn man es wie die Überlinger Gewerbeschule bereits lebe.

Gewerbeschule

Die Jörg-Zürn-Gewerbeschule, die vor drei Jahren ihr 175-jähriges Bestehen feierte, gehört seit 1988 dem weltweiten Schulnetzwerk der Unesco-Projektschulen an. Diese Schulen orientieren sich innerhalb und außerhalb des Unterrichts an der Idee der Verständigung, des interkulturellen Lernens und einer nachhaltigen Lebensweise. Die Erziehung zum besseren Verständnis anderer Menschen und Kulturen in einer friedlichen, umweltgerechten Welt durch gemeinsames Handeln ist ein wichtiges Ziel. In dem weltweiten Schulnetzwerk der Unesco arbeiten rund 200 deutsche Unesco-Projektschulen mit. Unter einem Dach in Überlingen sind die Gewerbliche Berufsschule, das Technische Gymnasium, Berufs- und Berufsfachschulen sowie drei Berufskollegs zusammengefasst. (hk)


Holger Kleinstück, Südkurier Überlingen, 27.08.15  nach oben