> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 03. Januar 2014
 

Schüler engagieren sich für bessere Welt

Jörg-Zürn-Gewerbeschule ist seit 25 Jahren eine Unesco-Projekt-Schule - 
Bei den Pfahlbauten ist ein Welterbe-Camp mit Workshops geplant

Überlingen – Seit 25 Jahren ist die Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Überlingen eine Unesco-Projekt-Schule. Davon gibt es nur 26 in Baden-Württemberg und etwa 210 bundesweit. Um diesen Titel überhaupt zu bekommen und den Status behalten zu dürfen, ist viel Einsatz von Seiten der Schüler und der Lehrer gefragt. Sie beschäftigen sich vor allem mit Unesco- Themen wie Menschenrechten, Nachhaltigkeit, interkulturelles Lernen oder Flüchtlingsproblematik. Mit der 2012 gegründeten Unesco-Arbeitsgemeinschaft soll das Engagement weiter ausgebaut werden.

„Die Unesco wird auch im Unterricht nach dem Lehrplan behandelt. Aber nur ein paar Stunden. Das war uns zu wenig“, erklärt Lehrerin Monika Kurtsiefer, die mit ihrem Kollegen und Unesco-Koordinator Dr. Peter Gött für die Unesco-Arbeit zuständig ist. Auch die Schüler hätten immer wieder den Wunsch geäußert, sich intensiver mit Themen wie fairem Welthandel auseinandersetzen zu wollen. So entstand die Idee zur AG.

Die Idee, sich 1988 als Projekt-Schule zu bewerben, hatte ihren Ursprung bereits in den 1970er Jahren, wie sich Dr. Gött erinnert. Damals begann die Schule, einen Austausch mit der französischen Gewerbeschule in Orleans aufzubauen. Später folgten das gewerblich orientierte Lyzeum Jean Rostand in Straßburg, die Chemisch-Technische Schule in Wuhan/Zentralchina und die Fachschule für chemische Laborassistenten bei der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking sowie Kontakte in die damalige DDR.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nahm die Gewerbeschule ein Austauschprogramm mit der Unesco- Projekt-Schule in der bulgarischen Stadt Varna auf. Inzwischen stehen vor allem Schülerbegegnungen mit französischen Schülern sowie Exkursionen in osteuropäische Länder wie Rumänien, Bulgarien, Russland und Polen, bei denen deutsche und osteuropäische Schüler gemeinsam Friedenspfade anlegen und Kriegsgräber pflegen, auf dem Programm.

Neben dem Schüleraustausch ist mittlerweile die Unesco-AG wichtiges Forum für die Projektarbeit. Ihr Ziel: Schüler sollen selbstständig Themen erarbeiten und sie ihren Mitschülern präsentieren. So hat die AG in der Vorweihnachtszeit einen Film in der Schule gezeigt, der von einem jungen Mann handelt, der in einem nordkoreanischen Straflager auf die Welt gekommen ist. „Die Schüler haben den Film selbst herausgesucht, weil er sie so bewegt hat. Sie bringen oft Ideen ein, die wir 

Monika Kurtsiefer und Dr. Peter Gött verantworten die Unesco-Projektarbeit an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Überlingen.
Bild: Brehm

dann gemeinsam umsetzen“, erklärt Kurtsiefer. Anschließend hätten die Schüler eine spannende Diskussion über Menschenrechte geführt.

„Es ist einfach schön, wenn ich sehe, dass wir mit unserer Arbeit etwas gegen Stereotypen und Vorurteile tun können. Und es ist besonders schön, wenn wir merken, mit wie viel Herzblut sich die Schüler für die Angelegenheiten der Unesco einsetzen“, freut sich Dr. Gött. Denn das sei nicht selbstverständlich. „Wir erleben auch immer wieder, dass die Unesco-Anliegen bei Schülern besser ankommen, wenn sie von ihren Klassenkameraden vorgestellt werden“, ergänzt Kurtsiefer. Und die Ideen gehen ihnen nicht aus: 2014 ist ein Welterbe-Camp bei den Pfahlbauten geplant. Am Schuljahresende wird die Gewerbeschule gemeinsam mit ihren ausländischen Partnern Workshops rund um das Thema „Weltkulturerbe“ dort anbieten.

„Die Schüler möchten gerne die Welt verbessern, aber sie wissen nicht wie. Die Projektarbeit gibt ihnen einen Anhaltspunkt“, sagt Dr. Gött, der sich für die Unterstützung im Kollegium und von Seiten der Schulleitung bedankt. „Wir leisten vielleicht nur einen kleinen Beitrag, etwas zu verändern. Aber wo sollen wir sonst anfangen?“


Unesco-Projekt-Schule
Die Unesco-Projekt-Schulen initiieren Partnerschaftsprojekte und internationale Projekttage mit Schulen aus anderen Ländern. Sie organisieren Seminare, Tagungen und Austauschprogramme. Jährlich erstatten sie der Unesco Bericht über ihre Aktivitäten, damit sie belegen können, dass sie den Titel weiterhin verdient haben.

Informationen im Internet:
www.ups-schulen.de
 

 


chb, Südkurier Überlingen, 03.01.14 nach oben