> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 30. Januar 2014
 

Kreative Ideen, elegante Umsetzung 

Schreiner-Lehrlinge zeigen ihre Abschlussarbeiten - Ganzheitliche Aufgaben machen den Reiz des Berufs aus - Auch ältere Berufswechsler und Späteinsteiger in Branche 

Überlingen – Wie anspruchsvoll und kreativ das Schreinerhandwerk sein kann, das machten die Berufsschüler dieser Sparte an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule jetzt bei ihrer Projektpräsentation deutlich. Weitgehend freie Hand haben die Auszubildenden des dritten Lehrjahres bei ihrer Ideenfindung und bei deren Umsetzung. Vorgabe ist allerdings, einen schwarzen Möbelkorpus in das eigene Objekt zu integrieren. Zwei Dinge zeichnen die Aufgabe ganz besonders aus, wie die schulischen Ausbilder Karl Barth und Hubert Gobs gleichermaßen betonen. Zum einen sei die Abschlussarbeit quasi eine Vorübung für das spätere Gesellenstück, zum anderen spiegle es die ganzheitliche Arbeitsweise eines Schreiners wider. Heraus kamen teilweise Möbelstücke mit Pfiff, die sorgfältig verarbeitet waren.

Kreative Idee und präzise handwerkliche Umsetzung gehören zusammen. Das mussten auch die Auszubildenden bei ihrer Arbeit erfahren. Erst kurz vor der Fertigstellung seines schön gestalteten Fernseh-Sideboards bemerkte Torsten Engelhardt, dass sich die kleinen Türen nicht ganz öffnen ließen. Der junge Stockacher, der seine Ausbildung in der Schreinerei der Schule Schloss Salem absolviert, musste schnell noch einmal ran und den funktionalen Mangel beheben. Auch wenn er das elegante Möbelstück zunächst in der Wohnung seiner Eltern in Stockach- Zizenhausen unterbringen will, freut sich Torsten Engelhardt darauf, es selbst zu nutzen. „Das ist meins“, sagt er mit Stolz.

Ein elegantes Systemmöbel hat auch Bastian Klaes aus Überlingen mit einem mehrteiligen Bürocontainer geschaffen, der sich durch interessante Optik und große Variabilität zeigt. Die einzelnen Bauteile hat der Auszubildende der Owinger Schreinerei Bucher mit runden Holzfüßchen gekoppelt, die einen schnellen Umbau der Elemente ermöglichen.

Eine ausgefallene Optik prägt die Grundidee von David Meng, der mit dem Stammteil eines Zwetschgenbaums „etwas Lebendiges“ in seine Hausbar einbauen wollte. Den Stamm schälte er, höhlte ihn aus und brachte eine Tür an. Wer sie öffnet, wird vom Flaschenrepertoire überrascht. Darüber hat er eine runde Glasplatte und den Korpus angebracht, an dem die Gläser aufgehängt sind.

Eine Glasschale mit farblich-variabler LED-Beleuchtung hat Marcel Märte aus Sipplingen in sein Couchtisch-Ensemble eingelassen. Vermeiden lasse sich dadurch das Geraschel einer Chipstüte, erklärte der Auszubildende, man könne die Schüssel auch für Obst und Gemüse verwenden. Entsprechend anpassen lässt sich dabei die Farbe des LED-Lichts. „Was machst du denn mit dem Kabelsalat“, fragte Lehrer Hubert Gobs nach der Präsentation. Darauf hatte Marcel Märte ebenso eine Antwort parat wie auf die Frage, warum er denn 

Torsten Leonhardt aus Stockach-Zizenhausen absolviert seine Ausbildung in der Schreinerei der Schule Schloss Salem. Er hat ein elegantes Sideboard entworfen und realisiert, das für TV und Hifi-Elektronik gedacht ist.
  
Mit farbigen LED-Leuchten hat Marcel Märte von der Schreinerei Caspers aus Sipplingen eine Glasschale in seinen Couchtisch integriert. Die Farbe des Lichts kann mit Fernbedienung variiert werden.
Bilder: Walter

Splintholz des Nussbaums verwendet habe. Er habe Reste verwertet, sagte Märte, den Gobs für die Optik der Maserung lobte. „Der Effekt ist genial.“

Die ganze Vielfalt der Hölzer demonstrierten die Lehrlinge mit ihrer Auswahl. Nicht nur deutsche Eiche massiv war zu sehen. So schuf Florian Jäger einen eleganten Barständer aus Platanenholz. Vor die Umsetzung haben die Ausbilder die Ablaufplanung gesetzt. „Das ist ganz wichtig, damit das Objekt rechtzeitig fertig wird“, sagt Karl Barth. Mindestens 80 Stunden hat Torsten Leonhardt für sein Sideboard benötigt. „Zu spät angefangen“ hat dagegen Holztechniker Björn Briehn, der einen Schreibtisch baute und nach eigenem Bekunden teilweise Probleme beim Verleimen hatte. Inzwischen würden ihm zwar einige Verbesserungen einfallen, sagt Briehn: „Doch im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.“


Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 30.01.14 nach oben