> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 07. Mai 2014
 

Afrikanische Tänze rütteln auf

Veranstaltung der Unesco-AG der Gewerbeschule - 
„Hope Theatre“ aus Nairobi zeigt Bühnenshow 

                      

  Das deutsch-kenianische „Nairobi Hope Theatre“ bot in der Kapuzinerkirche eine Bühnenshow auf Englisch und Deutsch zum komplexen Beziehungsgeflecht zwischen Afrika und Europa.
Bilder: Kleinstück
      
 

Überlingen – Die Themen fairer Handel und die komplexen Handelsbeziehungen zwischen Europa und Afrika standen im Mittelpunkt der gestrigen Veranstaltung der Unesco-Arbeitsgemeinschaft (AG) der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in der Kapuzinerkirche. Auf dem Programm standen eine Modenschau der vor zwei Jahren gegründeten AG sowie eine zweisprachige multimediale Bühnenshow zum fairen Dialog zwischen beiden Kontinenten mit dem „Nairobi Hope Theatre“ aus Kenia. Der Kapuzinersaal war komplett mit Schülern besetzt.

Nach Worten von Schulleiter Paul Baur ist die Gewerbeschule seit 1988 offiziell eine Unesco-Projektschule – die einzige im Bereich des Regierungspräsidiums Tübingen. Baur machte auf den diesjährigen internationalen Unesco-Projekttag „Welterbe Erde – mach dich fit für die Vielfalt“ aufmerksam. Mitte Juli stehe ein Unesco-Welterbe-Camp in Markelfingen mit Schülern und Lehrern der Unesco-Projektschulen aus Baden-Württemberg an, an dem die Unesco-AG unter Leitung von Peter Gött und Monika Kurtsiefer teilnehme. Als erste Aktion habe man vor einigen Tagen Sonnenblumen vor der Kreissporthalle gepflanzt. Mit dem Theater stehe nun ein inhaltlich nachdenklich stimmendes Thema an.

Den Auftakt bildete eine Modenschau von zehn Schülern der Unesco-AG der Gewerbe- und der 

Justus-von-Liebig-Schule. Dabei zeigte sich, dass die vorgeführte Sport-, Geschäfts- und Freizeitmode, hergestellt aus fair gehandelten Produkten, nicht von „normaler“ Kleidung zu unterscheiden ist. „Sie sieht durchaus cool aus“, drückte es ein Sprecher der AG aus.

Was ist Fairness – sozial und wirtschaftlich? Was ist Fair Trade? Wie sollte sich der Dialog zwischen Europa und Afrika verändern? Unter diesen Themen stand das Performancetheater „The Fair Trade Play“ – ein Mix aus Szenen, Videoclips, Interviews, Raps, Songs und Tänzen: Das deutsch-kenianische „Nairobi Hope Theatre“, gegründet vor fünf Jahren vom österreichischen Theatermacher und Regisseur Stephan Bruckmeier, bot eine Bühnenshow auf Englisch und Deutsch zum komplexen Beziehungsgeflecht zwischen den Erdteilen, beispielsweise in Form von Kaffee, Schokolade, Rosen und Kleidung. Es vermittelte einen unterhaltsamen Zugang zum Thema Fairness im Alltag und im Umgang mit dem Anderen. Gleichzeitig machte es Zusammenhänge und Ungerechtheiten des Welthandels anschaulich. Immer blieb genügend Raum für den Dialog mit dem Publikum, denn das direkte Gespräch war ein wichtiger Teil der Aufführungen. Die jungen Zuschauer wurden in die Handlungen per Sprechrollen, kurzen Interviews und Tänze einbezogen, alles, um sich künftig vielleicht mehr für fairen Handel zu interessieren und um sich zu fragen, was man diesbezüglich machen könne.

 
Schüler der Unesco-AG der Gewerbe- und der Justus-von-Liebig-Schule zeigten eine Fair-Trade-Modenschau.

„Hope Theatre Nairobi“

„Arbeit statt Mitleid“: Unter diesem Motto wurde das „Hope Theatre Nairobi“ 2009 von Stephan Bruckmeier mit Jugendlichen aus den großen Slumgebieten der Metropole gegründet. Seither trainiert es in einer kleinen Halle neben dem „Kariobangi Market“, einem der Slum-Viertel an der großen Mülldeponie. Theaterschaffende aus Europa und Afrika arbeiten projektbezogen und in diversen Workshops mit der Gruppe. Das Ensemble präsentierte sich im Frühjahr 2012 das erste Mal in Europa. Nach dem großen Erfolg der Produktion „The Dream of getting a Job“ wurde die Truppe 2013 erneut nach Deutschland eingeladen. Seitdem zeigt sie gemeinsam mit europäischen Jugendlichen die politische Revue „Fair Deal – Fair Act – Fair Trade“.

Holger Kleinstück, Südkurier Überlingen, 07.05.14  nach oben