> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 01. August 2013
 

Zu wenig Gesellen: Friseurklasse in Überlingen schließt

Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis verabschiedet Friseurgesellen

                      

  Karl-Heinz Götz und Thomas Mattes der Prüfungskommission, Kreishandwerkerschafts- Geschäftsführer Georg Beetz und der Schulleiter der Überlinger Jörg-Zürn-Gewerbeschule, Dr. Paul Baur bei der Verabschiedung der Gesellinnen.  
Bild: Südkurier
      
 

Überlingen – Zehn Gesellinnen und ein Geselle im Friseurhandwerk – so wenige wie noch nie – feierten im Haus der Kreishandwerkerschaft in Friedrichshafen ihren Lehrabschluss und die bestandene Prüfung. „Es handelt sich um die farbigste und schickste Verabschiedung in den den Gesellenstand“, begrüßte Geschäftsführer Georg Beetz. Anlass zur Sorge würde jedoch die geringe Zahl an Abschlüssen geben. „Wer soll bei elf neuen Friseuren im ganzen Bodenseekreis künftig die Haare schneiden?“, fragte er.

Hintergrund sei neben der demografischen Entwicklung der Trend zur gymnasialen Ausbildung und zum Studium. „Ich bin aber davon überzeugt, dass es viele junge Menschen gibt, die ganz praktische Talente haben“, so Beetz. Völlig zu Unrecht würden die Friseure in die Ecke des Billiglohns gedrängt. Dies bestätigte Obermeisterin Annette Beine: „Entgegen kursierender Meldungen ist der Gesellenlohn in Innungsbetrieben gut und liegt über dem Mindestlohn.“ Den Absolventen gratulierte die Obermeisterin zur bestandenen Prüfung und wünschte alles Gute für die Zukunft. Kein Handwerksberuf sei so kreativ und interessant wie der Friseurberuf. Er erfordere jedoch eine ständige Weiterbildung. „Aber zufriedene Kunden machen stolz“, weiß Beine und wünschte den Junggesellinnen den notwendigen Ehrgeiz, weiter an sich zu arbeiten. Zum Beispiel öffnet der Meisterbrief das Tor zur Selbstständigkeit. Aber auch Kosmetik- oder Wellnessbereich bieten interessante Perspektiven.

Karl-Heinz Götz und Thomas Mattes von den Prüfungskommissionen in Friedrichshafen und Überlingen nahmen die Ergebnisse in den Blick. „In der Theorie wurden im Gegensatz zur Praxis keine guten Leistungen erbracht“, sagte Götz angesichts der Bestnote von 2,6 im Prüfbezirk Friedrichshafen. Sechs Teilnehmerinnen haben das Ziel nicht erreicht. „Das ist ungewöhnlich 

viel.“ Im Bezirk Überlingen haben alle fünf  Friseur-Azubis mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,3 bestanden. „Aber nun geht eine Ära zu Ende“, sagte Thomas Mattes. So ist eine Konsequenz des Azubi-Rückgangs im Friseurhandwerk, dass es künftig keine Friseurklasse mehr an der Jörg-Zürn- Gewerbeschule in Überlingen geben wird. Alle Friseur-Azubis im Bodenseekreis werden nun in Friedrichshafen die Schulbank drücken.

Studiendirektor Paul Baur aus Überlingen bescheinigte den Friseurgesellen beste  Perspektiven: „Die Arbeit wird in diesem haarigen Beruf nicht ausgehen und man wird Sie als kreative Beauty-Profis schätzen.“ Das können die jungen Friseurgesellinnen bestätigen. „Ich habe eine Bewerbung geschrieben und direkt eine Stelle gefunden“, verriet Selma Tunckiran aus Überlingen. Claudia Schulz hat mehrere Bewerbungen abgeschickt. Aber nur, damit sie sich die Stelle aussuchen konnte. „Ich habe mich für den Salon mit dem besten Arbeitsklima entschieden“, so die Meersburgerin.

Annette Beine dankte allen Lehrern, den Ausbildern und der Prüfungskommission. Georg Beetz besonderer Dank galt den Ausbildungsbetrieben, die nicht nur einen wertvollen Beitrag für die Gesellen, sondern auch für die Wirtschaft leisten. „Schneidet auch künftig immer gut ab“, gab er den jungen Friseuren mit auf den Weg.

Die Absolventen

Prüfbezirk Friedrichshafen: Jacqueline Bürkle, Michelle Lenart, Merzuha Özdemir, Patricia Peter, Heike Rundel und Leonie Seidl.

Prüfbezirk Überlingen: Maria Eindorf (Preisträgerin mit Note 1,9), Nadja Frei, Pietro Ricciardi, Claudia Schulz und Selma Tuckiran

SÜDKURIER Überlingen, 01.08.13 nach oben