> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 04. April 2013
 

Schüler auf dem Weg des Friedens

Projekte der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Osteuropa tragen Früchte - 
Sorge um Finanzierung der Begegnungen

                      

  Schüler und Begleiter der  Jörg-Zürn-Gewerbeschule zusammen mit rumänischen Jugendlichen auf dem Friedenspfad nach Griechenland.
Bild: Schule
      
 

Überlingen – Wenn im Juli wieder einmal eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Jörg-Zürn-Gewerbeschule zu einem Projekt nach Bulgarien fahren wird so ist das für Hubert Gobs, Technischer Lehrer und Leiter der Aktion, mehr als ein Engagement zur Pflege von Kriegsgräbern und Soldatenfriedhöfen. Es ist eine wirkungsvolle Jugendbegegnung, die Spuren hinterlässt und ein Stück praktische Friedensarbeit. Konkreten Ausdruck findet dies seit vielen Jahren in dem „Friedenspfad“, den Vorgänger schon Ende der 1990er Jahre von Sandanski nach Griechenland angelegt haben und an dem die Schüler auch jetzt wieder Pflegemaßnahmen vornehmen werden. Auch zwei Jahrzehnte nach Beginn des Projekts, das Schüler auch schon nach Polen, Rumänien, Slowenien, die Slowakei und Baschkirien führte, ist diese „Friedensarbeit“ für Gobs nach wie vor wichtig: „Wichtig bei allen Reisen war den Jugendlichen die Begegnung mit den Menschen“, sagt er. „Es ging immer darum, Vorurteile abzubauen und Verständnis füreinander zu entwickeln.“

Entstanden ist die Idee vor 20 Jahren nach einem Gespräch von Gobs' Kollegen Karl-Friedrich Barth mit dem Owinger Max Mangel, der lange Jahre für den Volksbund als Landesgeschäftsführer tätig gewesen war. Er kannte den großen Handlungsbedarf bei der Bewahrung und Pflege von Friedhöfen und Kriegsgräbern insbesondere in Osteuropa. Mit Barth engagierten sich von der Schule von den ersten Jahren an Bernhard Schnetter und der früh verstorbene Ognion Serafimov. Der aus Bulgarien stammende Naturwissenschaftler baute Kontakte in das osteuropäische Land auf. Zehnmal waren Schüler inzwischen dort und die Kontakte dahin sind zu den fruchtbarsten geworden.

Wichtigste Schaltstelle im Kontakt mit den bulgarischen Kommunen war dabei von Anfang an Ljudmilla Karaivanova, verantwortlich für Bildung, Schulen und Kindergärten im Rathaus von Sandanski, der Stadt nahe der Grenze zu Griechenland, in der Schülergruppen inzwischen schon zehnmal tätig geworden sind. Genau vor zehn Jahren hatte Karaivanova erstmals Überlingen besucht, um die Kontakte weiter zu pflegen und sich ein Bild vom deutschen Schulsystem zu machen.

„Bis heute bereitet sie die Aufenthalte und Arbeiten der Schülergruppen vor“, sagt Hubert Gobs, der selbst seit 2000 Begleiter ist und seit 2004 die Projekte leitet: „Das erleichtert uns die Organisation unheimlich.“ Auch im kommenden Juli wird sich wieder eine Gruppe von rund 20 Schülerinnen und Schülern auf den Weg machen. Wie bei den bisherigen Fahrten 

Hubert Gobs begleitet Schüler seit mehr als zwölf Jahren auf den Fahrten und leitet die Projekte seit 2004.  
Bild: Walter

Schüler auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Brasov beim Nachzeichnen der Innschriften.
Bild: Schule

wird es wieder Begegnungen mit bulgarischen Schülern und Lehrern des dortigen naturwissenschaftlichen Gymnasiums geben, weiß Gobs: „Das ist inzwischen eine sehr fruchtbarer Austausch.“

Doch es wird aufgrund der steigenden Kosten immer schwieriger, das Projekt aufrecht zu erhalten. Mit einem Eigenanteil von 350 Euro ist für Hubert Gobs inzwischen eine „Schmerzgrenze für Schüler“ erreicht. Auf der anderen Seite gehen beim Volksbund, der das Projekt fördert, die Spenden zurück, mit dem Verständnis für die Arbeit in der Bevölkerung. „Wir sind schon jetzt angehalten, uns um zusätzliche Mittel zu bemühen“, sagt Gobs und hat Verständnis dafür. Erste Unterstützer hat er auch gefunden und hofft auf weitere Förderer. Zu wichtig ist im dieser Arbeit als bleibender Wert für alle Beteiligten.

Gerne zitiert Gobs in diesem Zusammenhang Aussagen von deutschen und bulgarischen Schülern, die sich bei den Arbeiten kennen gelernt haben. „Diese zwei Wochen werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen“, sagten viele Teilnehmer anschließend und eine junge Bulgarin schrieb Gobs in ihrem Abschiedsbrief: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns nie mehr wieder sehen. Aber unsere Freundschaft bleibt ewig. Seid nicht traurig. Ich bin sicher, dass sich unsere Wege wieder kreuzen, denn wir gehen denselben Weg, den der Toleranz, der Freundschaft und des Friedens.“


Hanspeter Walter, SÜDKURIER Überlingen, 04.04.13 nach oben