> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 14. November 2011
 

Statt Volkstrauertag ein „Tag der geschichtlichen Verantwortung“

Gedenken auf städtischem Friedhof und KZ-Friedhof Birnau - Schülerin der Jörg-Zürn-Gewerbeschule verliest Brief aus Bulgarien

Überlingen – Der Volkstrauertag, an dem nur noch wenige Menschen trauern, weil die Mehrheit nicht mehr den Verlust eines lieben Menschen im Krieg erlitten hat, könnte besser als „Tag der geschichtlichen Verantwortung“ bezeichnet werden, sagte Pastoralreferent Alexander Mayer von der katholischen Münstergemeinde bei der Gedenkveranstaltung auf dem städtischen Friedhof. Obwohl es heute keinen Nährboden mehr gebe für nationalistische Überheblichkeit, brauche man diesen Tag des Gedenkens als Herausforderung, wie man als Volk Lehren aus der Geschichte für die Bewältigung der Zukunft ziehen kann. Aus dem jüdisch-christlichen Glauben ergeben sich daraus vor allem die Grundwerte der Ehrfurcht vor dem Leben, die Würde des Menschen als Geschöpf Gottes und Shalom – die Vision eines allumfassenden Friedens. Nicht Gott zu spielen, sondern Gott zu spiegeln sei Aufgabe des Menschen. „Hitler hat Gott gespielt und im Heil-Hitler-Gruß haben die Deutschen sich selbst verraten“, so Pastoralreferent Mayer.

Rudolf Christiani vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge berichtete in seiner Rede von der jahrelangen Friedensarbeit des Volksbunds, insbesondere in Osteuropa und Russland. Allein im Jahr 2010 haben die Umbetter des Volksbunds über 46 000 Exhumierungen durchgeführt, ein Schwerpunkt der Tätigkeit beim Bau und Unterhalt der Kriegsgräberstätten. Zur Versöhnung der Völker trage besonders auch die Jugendarbeit bei, wie das Beispiel der Jörg-Zürn Gewerbeschule Überlingen zeige. Unter der Leitung ihres Lehrers Hubert Gobs haben Schüler in der Sommerpause deutsche Soldatenfriedhöfe in Bulgarien gepflegt, zusammen mit bulgarischen Jugendlichen.

Schriftsteller Catalin Dorian Florescu (Mitte) inmitten von Schülern der Jörg-Zürn-Gewerbeschule.
Bild: Bast

Die Schülerin Olivia Kraft verlas einen Brief der 15-jährigen Hrissi, in dem diese 2004 schrieb, dass sie anfangs Angst hatte, Deutsch zu sprechen, doch nach den gemeinsamen Tagen überzeugt ist, dass man zusammen den Weg der Toleranz, der Freundschaft und des Friedens gehe.

Rudolf Christiani dankte Stadtgärtner Thomas Vogler für seine jahrzehntelange Unterstützung der Anliegen des Volksbunds bei der Pflege der Gedenkstätten und wünschte ihm für seinen Ruhestand ab nächstem Jahr alles Gute.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt vom Münsterchor unter der Leitung von Melanie Jäger-Waldau und von der Stadtkapelle unter der Leitung von Ralf Ochs. Auf dem KZ-Friedhof Birnau fand noch ein Gedenken an die Opfer des KZ-Außenlagers Aufkirch statt, bei dem Oberbürgermeisterin Becker und der Vorsitzende des italienischen Kulturvereins Friedrichshafen D'Amicotrado Kränze niederlegten.

 
 
Südkurier Überlingen, 14.11.11 nach oben