> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 21. Oktober 2011
 

Infotafel erhellt Hintergrund

Totengedenken von zwei Schülern der Jörg-Zürn-Gewerbeschule 

Meersburg/Überlingen – Hoch oben am Höhenweg zwischen Meersburg und Hagnau ist die Kriegsgräber- und Gedenkstätte Lerchenberg gelegen – mit einem wunderbaren Ausblick auf den Bodensee, die Schweiz und Österreich. Viele Wanderer und Ausflügler passieren diese Stelle, machen dort zuweilen Picknick, interessieren sich jedoch auch für die Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Hier sind 69 Kriegstote des Ersten Weltkriegs begraben, die von Friedhöfen in der Schweiz 1938 umgebettet wurden. Eine Dornenkrone ziert das Gräberfeld mit den 69 Namen.

Bislang allerdings vermissten Besucher der Gedenkstätte Informationen über die Ereignisse und wie die Anlage entstanden ist, die 1937 im damaligen Nazideutschland geplant wurde. 1942 wurde der Bau endgültig eingestellt, als er zu zwei Dritteln fertig war. Erst am 20. September 1964 konnte die Anlage in der heutigen Form von der Stadt Meersburg und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der die Stätte seitdem pflegt, eingeweiht werden.

Jetzt wurde auf dem Lerchenberg von Repräsentanten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Meersburger stellvertretenden Bürgermeister Peter Schmidt eine umfangreiche Informationstafel, zu der auch die Stadt Meersburg einen finanziellen Beitrag geleistet hat, enthüllt. Peter Schmidt erinnerte an die Geschichte des Baus der Gedenkstätte, die 1936 ursprünglich auf dem Ödenstein geplant war. 1938 einigte man sich auf die jetzige Stelle hoch oben über dem See. „Dieser Ort ist nicht nur Gedenkstätte, sondern auch Friedhof. Dieser Hinweis fehlte bis heute“, betonte Schmidt. Gerade für Wanderer und Radfahrer sei diese Stelle ein wunderbarer Aussichtspunkt, aber die Bedeutung der Stätte sei vielen nicht bewusst.

Bernhard Steimle, Vorstandsmitglied des Landesverbandes Baden-Württemberg des Volksbundes, stellte die neue Informationstafel vor. Die Tafel erhelle die Hintergründe, warum hier Soldaten des Ersten Weltkrieges begraben wurden, obwohl es am Bodensee keine Kriegshandlungen gab. Er ging auch auf den Bau, der in den Jahren des Nationalsozialismus als festungsartige „Totenburg“ geplant wurde, ein. „Wäre dieser Bau so vollendet worden, dann hätten wir keine zum See hin und nach oben offene Anlage, keine das Leid symbolisierende Dornenkrone und auch kein zum Himmel emporragendes 12 Meter hohes Kreuz“, erklärte er. Der Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge wolle mit dieser Informationstafel einen Beitrag leisten, damit die Entstehungsgeschichte nicht in Vergessenheit gerät. Ein Ort der Mahnung an die heute Lebenden solle es sein.

Steimles Dank galt Steinmetzmeister Siegfried Herter, der Ausbesserungen am

Der Landesgeschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Martin Lunitz (links), und Bernhard Steimle vom Vorstand (rechts) ehrten die Gefallenen der Weltkriege mit einem Blumengebinde vor der Dornenkrone der Gedenkstätte Lerchenberg.
Zwei Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen, Florian Jäger und Mario Blank, sprachen das Totengedenken anlässlich der feierlichen Enthüllung der Informationstafel.
Die neue Infotafel erhellt die Hintergründe der Gedenkstätte.
Bilder: Mühlbauer

Mauerwerk vorgenommen hatte, und Gärtnermeister Ralf Ehrenfried, der die Kriegsgräberstätte in Ordnung hält. Vor der Enthüllung der Tafel legte Bernhard Steimle zusammen mit Landesgeschäftsführer Martin Lunitz ein Blumengebinde am Podest der Dornenkrone nieder. Das Totengedenken wurde von zwei Schülern der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen, Florian Jäger und Mario Blank, gesprochen. Lehrer Hubert Gobs und seine Schüler der Berufsfachschule kooperieren mit dem Volksbund, pflegen viele Kriegsgräber in Osteuropa und suchen den Kontakt mit der dortigen Jugend. Die Jugendlichen hatten den Vormittag die Lerchenberg-Gedenkstätte gesäubert und in Ordnung gebracht. Auch wollen sie jedes Jahr im Herbst zur Pflege und Instandhaltung kommen.

 
 
Südkurier Überlingen, 21.10.11 nach oben