> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 09. Februar 2012
 

Stück macht Schüler betroffen

Stadttheater Konstanz zeigt am Technischen Gymnasium
 das Stück „Dreck“ mit Zeljko Marovic

Überlingen – Als Zeljko Marovic alias „Araber Sad“ mit den Worten: „Ich bin ein Stück Scheiße. Das hab ich nicht gewusst. Ich kann nichts dafür. Das müsst ihr mir glauben“ den Raum verlässt, herrscht eine ganze Weile lang Grabesstille im Publikum. Mucksmäuschenstill und sichtlich ergriffen sitzen die Schüler des Technischen Gymnasiums und der Berufsaufbauschule Überlingen da und lassen das vom Stadttheater Konstanz präsentierte Stück nachwirken. Irgendwann hebt ein Schüler die Hände und beginnt zu klatschen. Die anderen fallen ein und lösen den Bann, in den das Stück „Dreck“ von Robert Schneider sie gezogen hatte.

Ungemein gut spielt der Schauspieler – mit kleinen, kleinsten Gesten bringt er die Unsicherheit und die Verletztheit zum Ausdruck, die Sad, der in Deutschland lebende Araber, empfindet. Permanent und sehr zynisch macht Sad sich und seine Landsmänner schlecht. Ausländer röchen permanent aus dem Mund. Nach Zwiebeln und Knoblauch, erzählt Sad. „Aber das ist nur eine Metapher. Der Gestank kommt von innen raus.“ Ergreifend ist der Moment als er erzählt, wie ein Mann, dem er Rosen verkaufen wollte, „Nein gelächelt“ hat. Nicht nein gesagt, sondern „Nein gelächelt“. Hier zeigt sich wieder, wie stark der Schauspieler in seiner Rolle ist, als ihm die Tränen in die Augen steigen: „Er hätte das nicht tun müssen. Mich anlächeln. Mich!“ Und dann wieder: „Ich heiße Sad. Ich bin ein Stück Scheiße.“

Schüler verfolgen gebannt das Schauspiel von Zeljko Marovic alias Sad.
Bild: Bast

Der Zuschauer vermag kaum stillzusitzen. Er möchte Sad in den Arm nehmen. Ihm versichern, dass das nicht stimmt. Dass er ein wunderbarer Mensch voller Würde ist. Und dann schaut Sad seine Zuschauer an und sagt: „Seid nicht traurig. Nicht traurig sein. Ich weiß, dass euch das überheblich vorkommen muss, aber ich sage es trotzdem: Ich liebe euch. Euren Teint, die weißen, glatten Hände. Jetzt weiß ich, dass ich niemals hätte herkommen dürfen. Wir wollten nicht, dass ihr euch an uns dreckig macht.“ Dann folgen jene letzten Worte: „Ich bin ein Stück Scheiße. Das hab ich nicht gewusst. Ich kann nichts dafür. Das müsst ihr mir glauben.“ Die zutiefst erschütterten Schüler, die sitzen und schweigen.


Eva-Maria Bast, Südkurier Überlingen, 09.02.12 nach oben