> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 27. Oktober 2011
 

"Was das Leben lebenswert macht"

Schriftsteller Catalin Dorian Florescu spricht mit Schülern über das Leben und das Schreiben

Überlingen – Er sehe das Schreiben als „etwas Leuchtendes“, als „etwas, das Sinn gibt und das das Leben reicher macht“, sagt der in Rumänien geborene und in der Schweiz lebende Schriftsteller Catalin Dorian Florescu zu den Schülern der Deutschklasse von Oswald Burger. Florescu spricht mit den Schülern der Jörg-Zürn-Gewerbeschule – und, bei einer weiteren Lesung, auch mit Schülern der Justus-von-Liebig-Schule – über seinen neuesten Roman „Jacob beschließt zu lieben“, über sein Leben, über das Scheiben.

„Besser man löst sie früher, die Frage, was das Leben lebenswert macht“, empfiehlt Florescu. Er selbst hat diese Frage sehr früh, mit 18 Jahren, gelöst und das Schreiben für sich entdeckt. Das war drei Jahre, nachdem er mit seinen Eltern aus Rumänien floh. „Die schönsten Geschichten hat mir doch Rumänien gegeben. Die Nabelschnur ist immer noch da. Zürich hat mir nie die große Geschichte geliefert.“ Die guten Geschichten, die sein Heimatland ihm schenkte, beginnen bei ihm selbst, bei seiner eigenen, rumänischen Geschichte. Bei seinem ersten, sehr autobiografischen Buch, das von der Flucht eines Jungen mit seinen Eltern erzählt. Und dann ist da noch die Geschichte vom blinden Masseur, der seinen Patienten Bücher gibt, damit sie ihm daraus vorlesen. Es gibt ihn wirklich, den blinden Masseur, Florescu hat ihn besucht. „Ich reise immer zu den Orten, über die ich schreibe“, sagt Florescu. „Dann ist man 

Schriftsteller Catalin Dorian Florescu (Mitte) inmitten von Schülern der Jörg-Zürn-Gewerbeschule.
Bild: Bast

wie ein Instrument, das vibriert. Das ist ein hochaktiver Zustand des Schauens.“

Ob denn Oswald Burgers Schüler auch schreiben, will Florescu wissen. Zögernd heben sich einige Hände. Ein Schüler hat mit seiner in Stuttgart lebenden Freundin vereinbart, nicht dauernd zu telefonieren und zu chatten, sondern Briefe zu schreiben. „Erst ging es gar nicht – aber dann kamen zwei Seiten raus. Das war echt ein Erlebnis“, sagt er. Ein anderer schreibt Rapsongs, wieder ein anderer Tagebuch. „Ich kann meine Gefühle da ganz gut bündeln und zum Ausdruck bringen“, sagt er. „Das ist gut. Alles, was dazu taugt die Sprachlosigkeit zu beenden, ist gut“, meint Florescu dazu.

 
 
Eva-Maria Bast, Südkurier Überlingen, 27.10.11 nach oben