> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 04. Mai 2012
 

Ein kleines Schränkchen in zig Varianten

Schreinerschüler des dritten Lehrjahrs an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule präsentieren Projektmöbel

Überlingen – Alle Jahre wieder das Gleiche: Wer die Präsentation der Schreiner- und Holzmechanikerschüler in der Jörg-Zürn- Gewerbeschule besucht, bekommt sofort Lust, sich neu einzurichten. So ansprechend wirken die vielen kleinen Möbel, die die Schüler des dritten Lehrjahrs als Vorbereitung auf die bevorstehende Gesellenprüfung gefertigt haben. Bei der Gesellenprüfung werden die gleichen Anforderungen gestellt wie bei der Projektmöbelerstellung, die an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule seit vielen Jahren zur Tradition gehört.

Die Vorgaben: ein kleines, schwarzes Schränkchen aus MDF mit Schublade und Tür muss gebaut und in ein von den Schülern entworfenes Möbelstück eingearbeitet werden. Die Schüler präsentierten ihre Projektmöbel nun vor ihren Lehrern und ihren Mitschülern und erzählten dabei sowohl von schönen als auch von kritischen Momenten während des Arbeitsprozesses. Auch Fragen der interessierten Mitschüler beantworteten die Vortragenden gerne. Martin Voigt wurde beispielsweise gefragt, ob die geschwungenen Naturhölzer, die sein Schränkchen an den Seiten zieren, geschraubt seien. „Nein“, erklärte er, „ich habe sie angeleimt.“

Spannend war vor allem, wie viele verschiedene Ideen die Schüler hatten. Gabriel Taraca hat dem Schränkchen ein viereckiges Regal angegliedert, das sich schräg unterhalb befindet. Die beiden Vierecke berühren sich nur an einer Kante. Das Möbel ist in schwarzweiß gehalten, da es zu Taracas Badezimmer mit schwarzem Boden und weißen Fliesen passen soll. 

David Platzcik hat einen Fernsehtisch gebaut. „Mein alter Fernsehtisch war zu niedrig und falls 

David Platzcik präsentiert sein Projektmöbel. Er wollte etwas Helles, "ein Möbel, das den Raum ein bisschen erleuchtet", sagt er.
Bild: Bast

ich irgendwann mal ein Haus kaufen sollte, habe ich schon ein gescheites Möbel“, argumentierte er. Das Dekor Apfelbaum hat er bewusst gewählt: „Ich wollte was Helles, ein Möbel, das den Raum ein bisschen erleuchtet.“ Probleme ergaben sich allerdings beim Zuschnitt der Glasregalböden: Er habe sich leicht vermessen und ein paar Millimeter Glas nachzuschneiden sei schwierig, beschreibt der Schüler. „Ich empfehle jedem, der mit Glas arbeitet: Erst die Glasplatten schneiden und alles andere anpassen.“ Auch vom Lackieren des schwarzen MDFs würde er allen abraten. „Das saugt den Lack richtig rein.“

Senol Yildiz hat ebenfalls einen Fernsehtisch gebaut, aber mit Edelstahlkanten und Alurohren als Beine und Stützen. Warum die Tür denn bei seinem Möbel auf der falschen Seite anschlägt, wollte ein Lehrer wissen. Der Schüler antwortete: „Ich war in der Schule die ganze Zeit mit reden beschäftigt und da habe ich plötzlich gemerkt dass ich die Bänder falsch eingelassen habe. Deswegen schlägt die Tür jetzt rechts an. Ich rate jedem: nicht ablenken lassen.“


Eva-Maria Bast, Südkurier Überlingen, 04.05.12 nach oben