> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 23. August 2012
 

Ein Händchen für Roboter

Larissa Nietner darf an führender Uni studieren - 
 Zeugnis der HTWG öffnet Türen zum MIT in Boston

Konstanz – Schon als Schülerin im Technischen Gymnasium Überlingen programmierte Larissa Nietner in ihrer Freizeit Roboter. Mit ihrem hervorragenden Bachelor-Zeugnis von der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) im Studiengang Maschinenbau, Entwicklung und Produktion erlangte die 24-Jährige aus Salem einen der begehrten Studienplätze am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Dort wird sie Mechanical Engineering (Maschinenbau) studieren und unter anderem als Research Assistant (wissenschaftliche Mitarbeiterin) erforschen, wie sich Leiterbahnen ähnlich wie Zeitungen drucken lassen.

Dies wäre schon für einen technisch talentierten jungen Mann ein herausragender Erfolg, denn die private Hochschule gilt als beste Technische Universität der Welt und als Kaderschmiede der Ingenieure. Für eine Frau jedoch ist es noch bemerkenswerter. Denn auch heute sei das Maschinenbaustudium noch eine Männerdomäne, findet Larissa Nietner. Biertrinken und Sprüche Klopfen gehörten dazu, selbst für zurückhaltende Männer sei es manchmal nicht leicht, sich dort zu behaupten. „Erst habe ich es mir nicht zugetraut, mich gegen die Männer durchzusetzen. Nach dem Abi habe ich zunächst in England ein BWL-Studium begonnen. Aber dann wurde mir klar, dass ich die Technik brauche", erzählt sie. Auf dem Technischen Gymnasium in Überlingen hatte sie bereits Feuer für das  Programmieren von Robotern gefangen.

Beim Aushelfen in einer Dreherei fand sie Gelegenheit, diese Kenntnisse anzuwenden: „Ich habe dort ganz klein angefangen und Teile sortiert. Als ich drei Jahrelang neben der Schule dort ausgeholfen hatte, durfte ich einen Roboter programmieren. Das ist ein krasses Gefühl. Er läuft und jeder muss ihn benutzen", schwärmt die Ingenieurin.

Woher ihr erstaunliches Händchen für die Technik kommt, kann sie selbst kaum sagen. Denn eigentlich mangele es Mädchen an weiblichen Vorbildern im technischen Bereich. Interesse oder Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten 

Die junge Ingenieurin Larissa Nietner entdeckte in der Jörg-Zürn-Gewerbeschule ihre Liebe zu Technik und Robotern. An der Elite-Uni MIT in Boston will die 24Jährige den Mastertitel erwerben.
Foto: HTWG

kämen somit oft gar nicht auf. Prominente in den Medien suggerierten, dass man als Model mehr Anerkennung bekäme denn als Ingenieurin. Der jährliche Girl's Day, an dem Mädchen in Betrieben typische Männerberufe kennenlernen, helfe auch nur bedingt: „Die Begeisterung für Technik wird dort schon vermittelt. Aber man sollte den Mädchen dabei auch das Gefühl geben, für eine solche Arbeit Anerkennung zu bekommen", findet Larissa Nietner. Sie selbst könnte für Mädchen ein Vorbild sein: Sie hat eine lebensfrohe Ausstrahlung und eine ansteckende Begeisterung, wenn sie von Technik spricht. An der HTWG hat sie gelernt, sich bei den Kommilitonen Respekt zu verschaffen. „Die Jungs in den Tutorien, die ich geleitet habe, hatten es nicht immer leicht mit mir", lacht sie. Auch an andere junge Frauen richtet sie den Appell: „Traut euch. Ihr könnt die Welt verändern!" Auf ihre Zeit in Boston freut sie sich riesig: „Alles ist am Puls derZeit. Es wird so viel Technik entwickelt, man hat Zugang zu den neusten Technologien." Am 24. August startet ihr Flug. Nach dem Master kann sie sich eine Promotion und eine Firmengründung vorstellen, Erfahrungen mit einer eigenen kleinen Firma hat sie schon gemacht.

Hochschule will Frauen gezielt fördern

> Sechs Prozent der Studierenden im Studiengang Maschinenbau, Produktion und Entwicklung an der HTWG waren im Sommersemester 2012 weiblich. „Die Tendenz ist steigend, doch trotz allem sieht die Hochschule weiteres Potenzial, den Anteil weiblicher Studierender zu erhöhen", wird Karriereberaterin Vera Maier-Tragmann in einer Pressemitteilung der HTWG zitiert.

> Beratungsmöglichkeiten für Schülerinnen zu MINT-Studiengängen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) an der HTWG sollen helfen, Hemmungen abzubauen. Vera Maier-Tragmann bringt die Mädchen mit Studentinnen in Kontakt, um Bedenken "von Frau zu Frau" besprechen und aus dem Weg räumen zu können. Informationen zur MINT-Karriereberatung an der HTWG: www.htwg-konstanz.de/mint-karriereberatung


Julia Russ, Südkurier Konstanz, 23.08.12 nach oben