> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 12. Juni 2012
 

Vor 175 Jahren eine Pioniereinrichtung

Klaus Abberger tritt als Hauptredner auf

Überlingen – 175 Jahre Jörg-Zürn- Gewerbeschule: Das ist ein gutes Stück Schulgeschichte. Stand diese in der Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum im Vordergrund, ist es heute ein aktueller Blick zurück nach vorn. Zu Wort kommen ehemalige Schüler mit ihren Karrieren. Eine Lektüre die motiviert. Am 23. Juni lädt die Schule zu einem Festakt mit anschließendem Tag der offenen Tür ein.

1837 unterrichtete noch ein Gewerbelehrer in seiner Klasse 50 Schüler aus den unterschiedlichsten Berufen: vom Küfer über den Nagelschmied und Sattler bis zum Schriftsetzer. Ausbildungszweige wie Kraftfahrzeugmechatroniker, Energie- und Gebäudetechniker oder Biologisch-technische Assistenten gab es damals noch nicht. Die Klassenstärke ist mittlerweile auf maximal 30 Personen gesunken und niemand verlangt von den Auszubildenden, dass sie morgens um 5 Uhr vor dem Klassenzimmer stehen.

Unter dem Dach der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen befinden sich 2012 neun Schularten aus dem gewerblich-technischen Bereich. Darunter zwei Berufsfachschulen, drei Berufskollegien, eine Berufsaufbauschule, das Angebot Berufseinstiegsjahr sowie das zweizügige Technische Gymnasium und die Gewerbliche Berufsschule. Im Schnitt verlassen heute pro Jahr 750 Absolventen die Einrichtung. Die Schüler im Alter zwischen 16 und 24 Jahren kommen hauptsächlich aus dem Einzugsbereich des alten Landkreises Überlingen und werden von 57 Lehrkräften unterrichtet.

Das Jubiläum fällt zufällig in das letzte Arbeitsjahr von Schulleiter Kurt Boch, der dort seit 1995 tätig ist. „Ein schöner Abschluss“, freut er sich und bedankt sich bei den beiden Pädagogen und Historikern Hansjörg Straub und dessen Kollegen Oswald Burger, die bei der Fertigstellung der Festschrift federführend waren. Burger unterrichtet seit 1977 an der Schule, Straub seit 1981. Er hatte auch die Idee, in der aktuellen Festschrift ehemalige Schüler mit ihren Biografien zu Wort kommen zu lassen.

Bemerkenswerte Lebensläufe

Von 130 Angeschriebenen haben sich 44 für ein Interview zur Verfügung gestellt oder eigene Beiträge verfasst. Getreu dem Spruch –„Es sind die Umwege, die die Ortskenntnis erhöhen“ –,  weisen viele davon bemerkenswerte Lebensläufe auf. Mancher Absolvent ist heute

Die Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen feiert 2012 ihr 175-jähriges Bestehen. Auf den Festtag am 23. Juni freuen sich schon jetzt Schulleiter Kurt Boch, die beiden Pädagogen Oswald Burger und Hansjörg Straub sowie die Schüler der Bildungseinrichtung
Foto: kw

Arzt, Professor für Volkswirtschaftslehre, Unternehmer oder Priester. „Solche Biografien machen Mut, vermitteln Perspektiven“, betont Beratungslehrer Straub. Einer von den Ehemaligen, Klaus Abberger, der das Technische Gymnasium in den 1980er-Jahren besuchte und jetzt als Ökonom an der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich arbeitet, tritt beim Festakt als Hauptredner auf.

Als die Gewerbeschule 1837 ihre Pforten öffnete, den Namen des Handwerkers und Künstlers Jörg Zürn erhielt sie 1955, zählte sie in Baden-Württemberg zu den Pioniereinrichtungen. Dieser Pioniergeist ist ihr erhalten geblieben. Seit 24 Jahren ist sie Unesco-Projektschule und kooperiert mit Partnerschulen in Frankreich, Polen und Bulgarien. Intern bietet sie den Gymnasiasten mit dem neuen Abiturschwerpunkt Umwelttechnik ein zukunftsweisendes Profil. Im Berufsbildenden Bereich können Schüler im Rahmen von Hospitanten in andere Ausbildungszweige hinein schnuppern. Ein gefragtes Angebot, denn, so Straub: „In den 1980er-Jahren hatten die Jugendlichen noch klarere Vorstellungen zu ihrer Berufswahl, heute sind wesentlich mehr Schüler auf der Suche nach persönlichen Perspektiven.“

Der Festakt mit Stehempfang beginnt am 23. Juni um 10Uhr. Der Tag der offenen Tür findet in allen drei zur Gewerbeschule gehörenden Gebäuden statt und geht von 12 bis 15 Uhr.

Weitere Informationen gibt es unter: www.gewerbeschule-ueberlingen.de


Karin Walz, Schwäbische Zeitung Überlingen, 12.06.12 nach oben