> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 11. Mai 2011
 

„Hoffnungen und Wünsche beerdigt“

Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule streiken - Landratsamt schließt Arbeitsraum - Räumaktion in den Osterferien

Überlingen - Verdammt sauer auf das Landratsamt sind die Schüler der Überlinger Jörg-Zürn-Gewerbeschule. Grund dafür ist die Schließung eines Schüler-Arbeits-Raumes. Der Raum soll nun zum Hausmeisterbüro umfunktioniert werden.

Ihrer Wut verliehen die Schüler mit einem Streik Ausdruck. Zwei Schulstunden lang beteiligten sie sich nicht am Unterricht und um Punkt 9.30 Uhr schritten sie mit einem großen Sarg durch die Reinhard-Ebersbach-Passage, in dem, wie Sprecher Adrian Wiemer sagt, „die Hoffnungen und Wünsche der Schüler beerdigt sind“. Die Schüler, die den Sarg trugen, kamen in dunklen Anzügen – sie spielten die Entscheidungsträger im Landratsamt. Und einer der Schüler sagte, in der Rolle eines Landratsamtssprechers, in seiner „Grabrede“: „Die Schüler wissen nicht, was es bedeutet, verantwortlich im Sinne des Steuerzahlers zu handeln. Die Weisheit liegt alleine in den Büroetagen des Landratsamts begraben.“

Mit Rufen wie „Stopp“ und „Haut ab“ vertrieben die Schüler die „Herren des Landratsamts“. „Die Beerdigung ist abgesagt“, wetterte Schülersprecher Adrian Wiemer und ergriff selbst das Wort. „Lassen wir das zu, dass die uns beerdigen?“ Die Antwort aus dutzenden Schülerkehlen: „Nein!“ Wiemer schimpfte weiter: „Die meinen wohl, sie wären die Gutsherren hier.“ Man habe Verständnis dafür, dass das Landratsamt einen Raum für die Hausmeister brauche. Diesbezüglich hätten auch Gespräche stattgefunden, sagte Wiemer. „Aber dass man dann einfach hergeht und sagt wir nehmen euren Raum, das kann es nicht sein.

“Denn das, so Wiemer, sei in den Osterferien geschehen. Damit seien die Schüler vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „Wir hatten das Gespräch vor den Osterferien und wir gingen ergebnislos raus. Und das bedeutet für die anscheinend, dass man in den Osterferien hingeht und einfach unsere Sofas rausschmeißt.“

Die Übernahme des Raumes in den Osterferien sei angekündigt gewesen, hält das Landratsamt dagegen. Und die Sofas seien aus Brandschutzgründen nicht zulässig. Die Umwandlung des Raumes in einen Hausmeisterraum erklärt das Landratsamt mit „Fürsorgepflicht“ gegenüber den Hausmeistern. „Aktuell sind die Hausmeister in einem wenige Quadratmeter großen Raum untergebracht“, sagt ein Sprecher des Landratsamtes.

Die Bedürfnisse der Schüler seien bei allen Gesprächen und Entscheidungen berücksichtigt worden. „Es wurde eine Alternative aufgezeigt, welche sämtliche von 

Schüler beerdigen, in der Rolle von Mitarbeitern des Landratsamtes, den Arbeitsraum „N007“ und damit „die Wünsche und Hoffnungen der Schüler.
Bilder: Bast
Die Trauer um „N007“ ist groß.

der Schülermitverantwortung geforderten Kriterien erfüllt“, heißt es weiter. Der Ersatzraum befinde sich im gleichen Gebäude, eine Etage höher. Ein weiterer Raum im Altbau könne ebenfalls von den Schülern genutzt werden. Außerdem sei das Schulzentrum als Gesamt-Campus mit Mensa angelegt. Es seien ausreichend Räume mit geeigneten Sitzmöbeln für die Vesperpausen, Einnahme der Mahlzeiten und Freistunden vorhanden.

Die Schüler wollen das aber nicht akzeptieren. Sie wollen ihren alten Raum zurück und vor allem sagen sie, dass sie von der Räumungsaktion in den Osterferien nichts wussten. „Wir werden es nicht dabei belassen“, erklärt Wiemer. „Und wenn sich nichts ändert, sind wir auch gern bereit, nach Friedrichshafen zu fahren und dort Bescheid zu sagen.“

Beim Streik in Überlingen war kein Landratsamtsvertreter zugegen, was einige Schüler enttäuschte. Kenntnis von dem Streik hatte das Landratsamt. In einer E-Mail an Rektor Kurt Boch schrieb der zuständige Sachbearbeiter, er lege großen Wert darauf, dass die Sachverhalte korrekt dargestellt werden, „da Sie als zuständiger Schulleiter den von der SMV initiierten Streik nicht verhindern wollen“.

 
 
Eva-Maria Bast, Südkurier Überlingen, 11.05.11 nach oben