> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 05. April 2011
 

Waschen, schneiden, legen – und was kommt dann?

   100 Auszubildende im Friseurhandwerk im Bodenseekreis

Sie machen im Juli ihren Abschluss an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule: Domenica Noto, Arlina Pagazitaj, Nadja Langenberger, Marina Hense, Deniz Algin und Julia Frei.
Bild: Rinderspacher

Überlingen - Etwa 100 junge Männer und Frauen im östlichen Bodenseekreis befinden sich derzeit in einer Ausbildung zum Friseurhandwerk. Die Hälfte von ihnen absolviert den theoretischen Teil der Ausbildung an der Überlinger Jörg-Zürn-Gewerbeschule. Die Männerquote liegt bei zehn Prozent. Wie sehen die Azubis ihre Zukunftschancen?

Für die meisten Schülerinnen der Abschlussklasse an der Jörg-Zürn- Gewerbeschule ist der dreijährige Weg bis zur Gesellenprüfung die erste Wahl und der Berufswunsch Friseur lang gehegt. Auf die Frage, was ihnen am Besten an ihrem Beruf gefällt, lautet die kollektive Antwort: Die Freiheit, sich kreativ entfalten zu können. Etwas genauer erklärt es Deniz Algin, stellvertretend für ihre Mitschülerinnen: „Jeder hat seine Stärke, einen Bereich, in dem er besonders kreativ ist. Bei mir ist es Farbe, bei anderen Schneiden oder Dauerwellen.“

Der Lohn für das stundenlange Stehen und Bücken eines Friseurs beläuft sich auf ungefähr 980 Euro brutto im Monat. Das mag durchaus unter den Vorstellungen vieler liegen, aber dafür sammeln die Mädchen positive Erfahrungen am laufenden Band: „Wenn ein Kunde mit dem Ergebnis zufrieden ist, ist das jedes Mal ein Erfolgserlebnis“, findet Julia Frei, ebenfalls Auszubildende im dritten Lehrjahr.

Was nach dem Abschluss kommt, kann keiner mit Sicherheit sagen. Tugba Durus meint zum Thema Übernahme im Ausbildungsbetrieb: „Ich denke, man kann bei diesem Beruf selbst einschätzen, wie gut man ist und hat dementsprechend eine Idee, wie die Chancen übernommen zu werden für einen stehen.“

Während der Zeit, die sie in der Schule verbringen, lernen die Mädchen, welche Mischverhältnisse sie beim Anrühren von Farben beachten müssen, was es bei Arbeitsverträgen zu beachten gibt und wie man Preise berechnet. Außerdem dürfen sie praktisch experimentieren, ob an Modellköpfen oder einander. „Hier dürfen die Mädchen auch mal einen Fehler machen“, erklärt Lehrer Rolf Briddigkeit. Die Mädchen des dritten Lehrjahres haben ohne Ausnahme vor, sich eines Tages selbstständig zu machen. „Sonst hat der Beruf ja keinen Sinn“, sagt Arlinda Pagazitaj. Um später einmal einen eigenen Salon zu führen, muss eine Meisterprüfung abgelegt werden, die in der Regel sechs Monate Vorbereitungszeit bedarf. Vorher wollen die Mädchen jedoch ausgiebig Berufserfahrung sammeln.

Doch nicht alle Mädchen an der Jörg-Zürn-Schule sind von ihrer Berufswahl begeistert. Schülerin Jessica Gamper bedauert einen Mangel an Abwechslung. Ihre Hoffnungen hängen an einem fachverwandten Beruf, dem des Maskenbildners. Mit dem Interesse an diesem Beruf steht sie nicht allein. Auf Wunsch der Klasse holt Lehrer Rolf Briddigkeit darum im April als Gastrednerin Marion Bleutge an die Schule. Sie ist als Maskenbildnerin an der Staatsoper Stuttgart tätig und den Schülern bereits von ihrem letzten Besuch vor einem Jahr bekannt. Damals kam sie bei den Schülerinnen so gut an, dass sie bereit sind, ihre Anreisekosten aus eigener Tasche zu bezahlen. Bleutge wird darüber sprechen, wie genau es mit den Berufschancen aussieht, was die Aufgaben sind und welche Voraussetzungen man mitbringen muss.

 

 
 

Anna Rinderspacher, Südkurier Überlingen, 05.04.11