> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 19. November 2010
 

Die Zukunft hält viele Wege bereit

Jungendberufsmesse im Kursaal am See

Überlingen - „Warum möchtest du denn Erzieherin werden?“, fragt Jürgen Schacht, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit. Die junge Dame zögert. „Kinder mögen“, ja selbst „nervende Kinder zu mögen“, das sei als Antwort einer Bewerberin nicht ungedingt überzeugend genug, um eine Stelle zu bekommen, sagt Schacht. Während der Berufsberater im Vortragsraum für die gute Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch wirbt, wuseln im Kursaal einige hundert Schüler zwischen den Infoständen, reden mit den Fachleuten, füllen ihre Fragebögen aus, sammeln Faltblätter und andere Kleinigkeiten ein. Industriebetriebe und Handwerksfirmen, Dienstleister und Schulen präsentierten bei der gestrigen Messe „Berufe am See“.

Diese Plattform der Agentur für Arbeit für Ausbildungswege in der Region ist in dieser Form ein Unikat. In größeren Städten sind längst kommerzielle Anbieter zugange, doch will die Agentur diese Kontaktbörse für den westlichen Bodenseekreis weiter aufrechterhalten. Rund 1000 Schüler von Haupt- und Realschulen waren gestern allein am Vormittag angemeldet, um sich im Klassenverband kundig zu machen; am Nachmittag konnte sich jeder nach Gusto informieren oder seine Bewerbungsunterlagen checken lassen.

„Das ist eine tolle Möglichkeit sich zu informieren“, sagt Manfred Baumann, stellvertretender Leiter der Jörg-Zürn-Gewerbeschule und ausgebildeter Maschinenbauer. Doch die Schüler nutzen das Angebot ganz unterschiedlich. „Ich dachte, wir werden hier informiert“, meint ein Schüler, der sich für den IT-Bereich interessiert und bei der Bundespolizei nachfragt, wann denn Vorstrafen verfallen. Einstellungsberater Marc Palfi von der  Böblinger Akademie dreht den Spieß um und gibt den Schülern einen kleinen Vorgeschmack auf 

Großes Gewusel im Kursaal: Fast 1000 Schüler aus dem Bezirk Überlingen der Konstanzer Agentur für Arbeit informierten sich über „Berufe am See“.
Bild: Walter

einen Eignungstest für den höheren Polizeidienst. Mit dem Prozentrechnen im Kopf haben die Schüler ebenso zu kämpfen wie mit der Frage nach fünf Bundespräsidenten.

Gute Noten gibt dagegen Stuckateur Michael Widenhorn seinen Gesprächspartnern. „Bei mir waren die Schüler sehr gut vorbereitet und zeigten großes Interesse“, sagt Widenhorn, bei dem die jungen Besucher mit einer Kelle und frischem Putz ihre Zielsicherheit erproben durften. Verlockend sind natürlich die kleinen Give-Aways wie Gummibärchen, Kugelschreiber und Co. Doch selbst ein Auszubildender wie Alexander Mohr, der bei der Firma Wohnbau Strasser Standdienst macht, ist streng und will erst Informationen loswerden. Schließlich gebe es auf dem Bau heutzutage gute Chancen auf qualifizierte Jobs, weiß Mohr, der selbst nach dem Abitur statt eines Vorpraktikums gleich eine Lehre als Maurer angefangen hat, um nun Bauingenieur zu werden.

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 19.11.10  

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