> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 11. Dezember 2008
 

Schüler gehen für Menschenrechte auf die Straße

350 Schüler gehen am 60. Jahrestag der UNO-Deklaration auf die Straße

Gegen Verletzungen der Menschenrechte rund um den Globus haben am gestrigen 60. Jahrestag der Uno-Deklaration rund 350 Schüler protestiert. Nach einem Demonstrationszug vom Schulzentrum zum Landungsplatz forderten sie auch gerechtere Bildungschancen in Deutschland.

Überlingen - „M – E – N – S – C – H“ buchstabierten die Schüler mit Megaphon laut und skandierten im Chor ihre Forderung nach einer Umsetzung der „Menschenrechte“ auf dem ganzen Globus. Die politisch engagierten Jugendlichen von der Jörg-Zürn-Gewerbeschule, der Constantin-Vanotti-Schule und der Justus-von-Liebig-Schule waren selbst erstaunt, welche Wirkung ihr Aufruf hatte. „Das sind ja so viele wie beim Hänselejuck“, bot sich beim Blick hinauf zum Franziskanertor ein sachfremder Vergleich an.

„Ich finde es klasse, dass so viele mitgemacht haben“, freute sich Adrian Wiemer, Wortführer aus der 11. Klasse des Technischen Gymnasiums an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule, nach der kleinen Kundgebung auf dem Landungsplatz. Dass sie über das aufkeimende politische Engagement ihrer Zöglinge ganz froh sind, signalisierten auch Pädagogen mit ihrer Präsenz. Jörg-Zürn-Schulleiter Kurt Boch verfolgte die Aktion und Oswald Burger sekundierte, indem er den Wortlaut der Deklaration von 1948 verteilte.

Einen Blick darauf zu werfen lohnt sich und zeigt, wie detailliert neben den Rechten auf Freiheit, Gleichheit und Unverletzlichkeit der Menschenwürde auch ganz konkrete Dinge festgehalten sind. So ist hier nicht nur ein Verbot der Folter (Artikel 5) verankert, sondern auch der Schutz der Familie (Art. 16) und der Meinungsfreiheit (Art. 19), das Recht auf Arbeit mit „gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ (Art. 23) und auf Bildung (Art. 26).

Insofern hatte es seine Berechtigung, wenn Schüler Adrian Wiemer nicht nur die Menschenrechtsverletzung in aller Welt anprangerte und den Vollzug der Todesstrafe von den USA bis nach China beklagte, sondern auch auf Missstände 

Rund 350 Schüler protestierten am gestrigen 60. Jahrestag der UNO-Deklaration für die Einhaltung der Menschenrechte rund um den Globus. Auch die ungerechten Bildungschancen hierzulande seien ein Verstoß.
Bild: WALTER

im eigenen Land aufmerksam machte. „Es ist ein gutes Zeichen von uns für die Welt“, sagte er, „dass wir uns hier für die Menschenrechte stark machen.“ Nicht nur in der Dritten Welt gebe es Verstöße, sagte Wiemer. erinnerte an die Folterpraxis von Guantanamo und alltägliche Diskriminierung. Auch Prostitution, die oft unter Zwang ausgeübt werde, sei eine moderne Form der „Sklaverei“.

Als „heikles Thema“ bezeichnete er den Bildungsbereich hierzulande, wo die Chancen nach wie vor ungleich und ungerecht verteilt seien. „Ein Kind aus einer ärmeren Arbeitnehmerfamilie hat weniger Chancen auf ein Studium als wenn es aus dem Haus eines Arztes oder Rechtsanwalts kommt“, sagte der Schüler und forderte ein Wahlrecht für das acht- oder neunjähriges Gymnasium zurück.

An Verstand und Vernunft der Verantwortlichen appellierte Zwölftklässler Janosch Hagenkötter vom Wirtschaftsgymnasium an der Constantin-Vanotti-Schule. „Menschen werden gefoltert, um Informationen aus ihnen heraus zu bekommen, die sie vielleicht nicht haben“, beklagte er. Auf der anderen Seite appellierte an das politische Bewusstsein der Mitschüler: „Wir müssen unsere Rechte kennen und lernen dafür einzutreten!

 
 
 

HANSPETER WALTER, Südkurier Überlingen, 11.12.08

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