> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 27. August 2003
 

Schularbeiten mitten in den Ferien

Bodenseekreis investiert in Überlingen 800.000 Euro für Datennetze und Brandschutz

Überlingen (flo) Kabel, Kabel, wohin man blickt. In dicken Strängen schlängeln sie sich in den Überlinger beruflichen Schulen die Wände hoch, baumeln von den Decken. Die drei Schulen erhalten ein neues Datennetz und gleichzeitig bringt man die Brandschutzmaßnahmen auf den aktuellen Stand. Die scheinbar völlig verschiedenen Arbeiten, für die der Kreis dieses Jahr in Überlingen insgesamt 0,8 Millionen Euro ausgibt, sind genau abgestimmt: Denn nicht zuletzt waren es "riesige Kabelstränge" in den Fluchtwegen, die laut Michael Sterk vom Landratsamt eine große Brandgefahr darstellten. Und spätestens seit der Katastrophe auf dem Düsseldorfer Flughafen weiß man, wie fatal sich Kabelbrände auswirken können.

Die neuen, halogenfreien und somit schwer entflammbaren Kabel werden komplett in unbrennbare Materialien eingebettet und sind zudem in "Brandabschnitte" aufgeteilt, so dass ein potenzielles Feuer sich nicht im ganzen Gebäude ausbreiten könne. Die vorgeschriebenen 30 Minuten "absolute Sicherheit" in Fluchtwegen wie Fluren und Treppenhäuser sind somit garantiert, sagt Thomas Pross, der das Brandschutzkonzept erarbeitete, das insgesamt rund 0,3 Millionen Euro kostet. Inbegriffen ist auch eine elektro-akustische Anlage für Durchsagen und Brandmeldungen. Sie schließt bei Feuer automatisch die Türen und alarmiert die Feuerwehr.

Viele der zahlreichen Kabel, insgesamt rund 70 Kilometer, gehören zu den neuen Datennetzen, ein Schul- und ein separates Verwaltungsnetz. Die Trennung sei nötig, sagt Sterk, unter anderem, damit sich begabte Schüler nicht in die Notendateien "hacken" können. Über die Hausnetze besteht natürlich die Möglichkeit, sich in externe Netze einzuwählen, etwa auch in das Netz des Kultusministeriums und des Landratsamts.

Künftig soll es möglich sein, von jedem Unterrichts- und Verwaltungsraum in allen drei Schulen ins Datennetz zu kommen. Jeder Unterrichtsraum erhält zwei Doppelanschlüsse, einen für den Lehrer, einen im hinteren Bereich für die Schüler. In spätestens drei bis fünf Jahren, so Sterk, soll dann jeder Schulraum über einen PC und einen Video-Beamer verfügen. Dass die Infrastruktur bis dahin veraltet sein könnte, brauche man nicht zu befürchten, da man sie jederzeit erweitern könne, auch für 

Jürgen Mäder von der Nußdorfer Firma Kretz bringt Ordnung in den Kabelsalat, der derzeit noch an den Überlinger Berufsschulen herrscht. Doch bis Schulbeginn sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.
Bild: Floetemeyer

viel höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, sagt Hubert Martens von der Firma Multinet, der die Anlage konzeptionierte. Und Hans Moll von der ausführenden Firma dtm aus Meckenbeuren meinte, die Installationen seien für die nächsten 20 Jahre ausreichend. Man war sich einig, dass der Unterricht, besonders in Fächern wie Erdkunde, Geschichte und Sprachen, künftig immer mehr auf die stets topaktuelle Daten aus dem Internet zurück greifen werde - was gerade in Deutschland, wo angeblich mit den ältesten Schulbüchern in Westeuropa unterrichtet wird, nicht das Schlechteste sein kann.

Insgesamt hat der Bodenseekreis am Schulstandort Überlingen im Zeitraum 2002 bis 2005 Investitionen in Höhe von rund 7,1 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen rund 5,6 Millionen Euro auf die Schulsporthalle inklusive Tiefgarage mit 100 Stellplätzen, mit deren Bau 2004 begonnen wird. Außerdem sind für die Innensanierung des Altbaus der Jörg-Zürn-Gewerbeschule rund 0,3 Millionen Euro eingeplant sowie für die Sanierung des Schlosses Rauenstein 0,4 Millionen Euro. Von 1973 bis Ende 2002 hat der Kreis in Überlingen rund 28 Millionen Euro investiert.

 
 
 

SYLVIA FLOETEMEYER, Südkurier Überlingen, 27.08.2003

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