> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 31. März 2004
 

Die Geschichte der Bodenseegürtelbahn

Seminararbeit von Gymnasiasten der Jörg-Zürn-Gewerbeschule

Überlingen (ub) Die Geschichte der Bodenseegürtelbahn haben sich Andreas Keller, Friedemann Vollmer und Michael Barthholdt vom Technischen Gymnasium an der Jörg-Zürn- Gewerbeschule (JZGS) zum Thema ihrer Seminararbeit für das Abitur gemacht. Mit der Präsentation hinterließen sie bei der Jahresversammlung des JZGS-Fördervereins einen starken Eindruck.

"Habt ihr eigentlich nicht vor, diese Präsentation auch in die Öffentlichkeit zu bringen?" Besser hätte das Kompliment für die Arbeit der drei Abiturienten nicht ausfallen können. Ihre rund einstündige Multi-Media-Präsentation mit aufwändiger handgemachter Technik steht auch inhaltlich auf hohem Niveau. In arbeitsteiligem Teamwork arbeiteten die drei Abiturienten die allgemeingeschichtliche Entwicklung und die technische Entwicklung der Eisenbahn sowie die lokalen Auswirkungen der Bodenseegürtelbahn auf.

Die ersten Eisenbahnen, die im 19. Jahrhundert auf zuerst kurzen Strecken entstanden, rührten, wie Andreas Keller in den Annalen stöberte, mancherlei Ängste in der Bevölkerung auf. So habe man die Verdrängung von sogenannten Straßenberufen wie Wagnern oder Fuhrleuten befürchtet. Auch die damaligen Ärzte hätten die Eisenbahnen auf den Plan gerufen. Angesichts ihres 30-Kilometer-Tempos hätten sie eine Gefährdung der Gesundheit gesehen. Der Begriff vom "delirium furiosum" kam auf.

Die technische Entwicklung der Eisenbahn beleuchtete Friedemann Vollmer. Von ihm erfährt man Interessantes über Sicherheits- und Signalleittechnik, über die Schienenfahrzeuge von der alten Dampf- bis zur E-Lok, über Bremssysteme und Neigezugtechnik, von der früheren Handarbeit des Bahnwärters bis zu den elektronischen Stellwerken, die den heutigen Zugverkehr über zig Kilometer regeln. Man erfährt, dass ein Totmannschalter ein Knopf ist, der vom Zugführer in kurzen Abständen zu drücken ist, sonst schalten automatisch die Triebwerke ab und halten den Zug an.

Die lokalen Auswirkungen des Eisenbahnbaus hat sich Michael Barthholdt vorgenommen. Noch 

Andreas Keller, Michael Barthholdt und Friedemann Vollmer (von links) von der Jörg-Zürn-Gewerbeschule arbeiteten die Geschichte der Bodenseegürtelbahn auf. Bild: ub

ehe 1901 die Bodenseegürtelbahn mit der Strecke von Friedrichshafen bis Überlingen geschlossen worden sei, habe Überlingen schon im 19. Jahrhundert durch das fortschreitende Eisenbahnnetz seine Bedeutung als Umschlagsknoten zwischen Land- und Wassertransporten verloren. Das habe schließlich zu einem Richtungsstreit in der Stadt zwischen einem konservativen und einem liberalen Lager geführt. Die einen hätten auf ein internes Wirtschaftsleben gesetzt, die anderen, zu denen auch Wilhelm Beck zählte, sahen die Zukunft in wirtschaftlichen Vernetzungen und wollten den Straßen- und Eisenbahnbau fördern. Als sich die Eisenbahnidee durchgesetzt habe, seien wieder zwei rivalisierende Konzepte über deren Trassenführung aufeinandergestoßen. Am Seeufer entlang oder in Tunnels durch die Felsen. Dass die Entscheidung zwischen beiden Alternativen mit Weitsicht getroffen wurde, ist bekannt. Den Auftrag für den Tunnelbau wurde an die Firma Asprion vergeben, die dabei bis zu 3000 Arbeiter, auch viele Gastarbeiter, und etwa 100 Ingenieure beschäftigte. Leitender Ingenieur war Adolf Seubert, an den ein Straßenname am Ostbahnhof erinnert. Der Durchstoß durch den Felsen wurde mit 10000 Sprengungen und 31000 Kilo Dynamit bewerkstelligt.

Mit Fotos von Siegfried Lauterwasser erinnern die drei Abiturienten aber auch an die schweren Zugunglücke zwischen Friedrichshafen und Überlingen: Das Schwerste im Jahr 1939 zwischen Kluftern und Markdorf mit 101 Toten, 1947 bei Süßenmühle und 1948 bei Sipplingen..

 
 
 

Südkurier, 31.03.04

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