> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 27. Juli 2004
 

Nur drittklassige Quellen

Leserbrief zu den Berichten über das Biolab-Mobil, das bei der Gewerbeschule in Überlingen Station gemacht hatte

Überlingen - Die beiden Wissenschaftler des BioLab-Mobils gaben sich über die ganze Zeit die größte Mühe, über biotechnologische und gentechnische Methoden objektiv zu informieren. Sie haben weder missioniert noch eine einseitige Informationsverbreitung betrieben, wie unter anderem von Jens Lachenmayr  behauptet. Der hat sich übrigens zu keinem Zeitpunkt während dieser drei Tage im Labor-Bus persönlich informiert. Dass die Mitarbeiter am Montagnachmittag sich kurzerhand eingeschlossen hätten, ist ganz einfach falsch. Die Demonstranten kamen zur frühen Nachmittagszeit, als das BioLab-Mobil noch geschlossen war. Die beiden Wissenschaftler und zwei Kollegen der JZGS befanden sich zu einer Besprechung im Vorraum des Fahrzeuges. Nachdem sich die Demonstration ohne Publikum formierte, hatte Herr Kleemeier der Gruppe gesagt, dass die öffentlichen Veranstaltungen erst am frühen Abend beginnen, worauf alle abzogen, später aber nicht wieder kamen. Wie in dem Beitrag von Hanspeter Walter gesagt, war es für mich als Moderator in der Tat schwierig, angesichts der geballten Übermacht der Gegner der grünen Gentechnik den Dialog auch auf die biologischen Seiten der Gentechnik zu lenken. Der Problemkreis wurde nicht mehr differenziert wahrgenommen, sondern mündete in eine reine Agrar- und wirtschaftspolitische Diskussion. Da wurden "zum

Beweis" Ereignisse und Situationen angeführt, die nur aus drittklassigen Quellen stammen können. Keiner der Gegner hatte wohl die Original-Arbeiten und deren wissenschaftliche Diskussion z.B. über die hessischen Kühe, die DNA-Bruchstücke aus genverändertem Mais ausschieden oder die Begründung des Gerichtsurteils über den zitierten kanadischen Bauern gelesen. Deshalb ist gegenüber solchen Aussagen grundsätzliche Skepsis angebracht. Selbst, dass der Mensch täglich Millionen von Genen zu sich nimmt unter denen Baupläne übelster Produkte sind (rein biologisch!) oder dass Agrobacterium thuringensis im biologischen Landbau verbreitet angewandt wird, DNA-Bruchstücke daraus aber vom Gentech-Teufel besessen sind, konnte von seiner sachlichen Grundlage nicht mehr diskutiert werden. Niemand an diesem Abend hat die großen Befürchtungen der Landwirte, in einen globalen Strudel und in nicht mehr umkehrbare Abhängigkeiten zu geraten, bezweifelt. Wäre es nicht auch gerade deshalb wichtig, die Forschungen im Bereich der grünen Gentechnik bei uns zu betreiben und nicht den weniger kritischen Gesellschaften auf der Welt zu überlassen? 

Hartmut Walter und Kollegen des Berufskollegs für biologisch-technische Assistenten an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen

 
 
 

Südkurier Überlingen, 27.07.04

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