> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 19. April 2004
 

Bioinformatik - Arbeitsfeld mit Zukunft

Seit drei Jahren ein Schwerpunkt des Berufskollegs für Biologisch-Technische Assistenten in Überlingen

Überlingen (hpw) Die "Bioinformatik" ist ein Wissenschaftszweig, der seit einem Jahrzehnt boomt. Die komplette Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes im "Human Genome Project" vor einigen Jahren war nur das spektakulärste Beispiel für das Arbeitsfeld der Bioinformatiker. Molekularbiologie, Biochemie und Biotechnologie sind immer stärker auf computergestützte Analysen und die Auswertung von Datenbanken angewiesen. Für die Anwendung von standardisierten Techniken haben Wissenschaftler Bedarf an qualifiziertem technischem Personal, das Computertechnik und Datenverarbeitung auf einem höheren Niveau beherrscht.

Dieser Nachfrage trägt das Berufskolleg für Biologisch-Technische Assistenten (BTA) an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Überlingen seit Herbst 2001 mit seinem zweiten Schwerpunkt "Bioinformatik und Molekularbiologie" Rechnung. Parallel dazu gibt es weiterhin den Schwerpunkt "Biologie und Biotechnologie", der schon seit 1978 erfolgreich angeboten wird. Einen halben von zwei BTA-Kursen (je 24 Schüler) hatte das Berufskolleg zunächst für die Bioinformatiker reserviert.

Doch mit dem Angebot stieg auch die Nachfrage. "Im Herbst werden wir erstmals eine komplette Klasse mit diesem Schwerpunkt haben", sagt Gerhard Herrmann, promovierter Wissenschaftler und Pädagoge am Berufskolleg, "und die Absolventen haben gute Chancen, schnell einen Arbeitsplatz zu finden."

Gefordert sind die Absolventen vor allem bei der Vorbereitung und Durchführung von Experimenten und bei deren Auswertung mit Hilfe spezieller Softwareprogramme. Sie müssen daher sowohl über molekularbiologische Fertigkeiten als auch über vertiefte Kenntnisse in der Anwendung von aktuellen Computerprogrammen verfügen. An diesen Anforderungen orientieren sich die Inhalte der Ausbildung.

Im ersten Jahr geht es in Theorie und Praxis um Betriebssysteme und Programme, Arbeiten mit Internet, Datenbanken und Netzwerken sowie die Bearbeitung von Bildern und Grafiken. Nach dem Erwerb dieser Grundkenntnisse werden im zweiten Jahr ganz berufsspezifische Techniken vermittelt - wie die DNA-Sequenzanalyse, die Ermittlung von Genen, das Computer Modelling von Proteinen und die Verschlüsselung von Daten. Arbeitsmöglichkeiten finden sich vor allem in biochemischen, molekularbiologischen, mikrobiologischen und medizinischen Forschungs- und Untersuchungslaboratorien.

Sorgfältige Experimente, korrektes Auswerten und Beurteilen der Ergebnisse gehören zum Rüstzeug der Biologisch-Technischen Assistenten.
Bild: Walter

Auch sonst ist das Berufskolleg auf der Höhe der Zeit. Schon seit einigen Jahren verfügt es  über ein genehmigtes S1-Sicherheitslabor, an dem die Schüler gentechnische Experimente an Bakterien ausführen können. Mit einem gewissen Unbehagen sieht Gerhard Herrmann die breite Front gegen die grüne Gentechnik in der Region. Doch nach der seit gestern geltenden Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel will er in diesen Tagen Proben aus dem Handel daraufhin untersuchen lassen. 

BTA-Berufskolleg:
Das zweijährige Berufskolleg für Biologisch- Technische Assistenten besteht seit 1978 an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Überlingen. Neben dem klassischen Schwerpunkt "Biologie und Biotechnologie" wurde im Herbst 2001 die Richtung "Bioinformatik und Molekularbiologie" installiert.

Der/die Technische Assistent/in für Bioinformatik und Molekularbiologie übernimmt Vorbereitung und Durchführung der Experimente und wertet diese Daten mit Hilfe spezieller Softwareprogramme aus. Diese Arbeiten erfordern Spezialisten, die sowohl über molekularbiologische Fertigkeiten als auch über vertiefte Kenntnisse in der Anwendung von aktuellen Computerprogrammen verfügen.

Arbeitsmöglichkeiten finden sich später in biochemischen, molekularbiologischen, mikrobiologischen und medizinischen Forschungs- und Untersuchungslaboratorien. Auch eine Vielzahl neu gegründeter Unternehmen benötigt in diesem Bereich zunehmend Arbeitskräfte.

Nähere Information: Jörg-Zürn-Gewerbeschule, Rauensteinstr. 17, 88662 Überlingen, Tel. (07551) 809230, Fax (07551) 809244.

www.jzgs.fn.bw.schule.de.

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 19.4.04

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