> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 01. September 2016

 Designmöbel zum Abschluss

Alle acht Auszubildenden haben bestanden und freuen sich über Gesellenbrief - Hubert Gobs, technischer Lehrer für Holztechnik, lobt Kreativität der jungen Schreiner

Überlingen – "Schleift eure Arbeitsproben bitte nochmals ab", gab der technische Lehrer für Holztechnik, Hubert Gobs, seinen acht frisch gebackenen Gesellen mit auf den Weg. Das ist ein eher ungewöhnlicher Ratschlag bei einer Verabschiedung, aber nach dem Brand in der Jörg-Zürn Gewerbeschule im August war dies tatsächlich ein gut gemeinter Ratschlag.

Rauch hatte sich auf die Arbeitsproben niedergeschlagen, obwohl die Stücke im Nachbarzimmer standen, das durch eine Brandschutztür gesichert und somit nicht direkt vom Feuer betroffen war. Eine Spezialfirma hatte die Stücke zwar schon gereinigt, dennoch waren vereinzelt noch Rußspuren zu erkennen.

Trotz alledem konnte Hubert Gobs sich freuen: "Alle acht haben bestanden!" Es waren nur acht Auszubildende im Jahrgang, was die Arbeit durchaus entspannter machte, so der Lehrer in seiner Ansprache. Aber: "Die Arbeit mit den Auszubildenden war dafür auch intensiver."

Das zeigte sich auch deutlich in der Qualität der Gesellenstücke, die es in 120 Arbeitsstunden zu fertigen galt – inklusive der Fertigungszeichnung. Die Arbeit vom Entwurf bis zum fertigen Gesellenstück zieht sich über Monate, allerdings entstehen die meisten Gesellenstücke in den Handwerkerferien, wenn die Werkstätten leer sind.

Fabian Schwieder etwa entwarf ein Stehpult aus Zwetschgenholz, dessen Verarbeitung offenbar mehr Probleme bereitete als gedacht. Dafür aber entstand ein ansehnliches und funktionales Designmöbel.

Auch Khalaf Murat darf sich jetzt Geselle nennen. Vor fünfeinhalb Jahren kam er als Flüchtling aus dem Irak nach Deutschland, da sprach er noch kein einziges Wort deutsch. Und er wusste auch noch nicht einmal, was eine Ausbildung ist. Dank guter Sprachentwicklung und Förderung begann er schon bald mit ersten Praktika im Kraftfahrzeuggewerbe, als Frisör und als Kellner. Aber mit Holz zu arbeiten, das hatte ihm wirklich Spaß gemacht. So begann er vor drei Jahren die Ausbildung zum Schreiner. Jetzt steht er glücklich vor seinem Gesellenstück, einem Schreibtisch aus geöltem Eichenholz. "Die geschwungenen Füße waren schwierig zu sägen", verrät er. Auch der Unterschrank war für ihn nicht einfach zu bauen. Mit den schwarz abgesetzten Naturhölzern ist ihm ein elegantes Schattendesign gelungen, das im Wechselspiel der geschwungenen Füße am anderen Ende des Schreibtisches steht.

Neben dem Design hatte Khalaf aber auch die Funktionalität im Auge: Der Schreibtisch ist komplett zerlegbar und so einfach zu transportieren, wie er sichtlich stolz erklärt.

Kam vor fünfeinhalb Jahren als Flüchtling aus dem Irak nach Deutschland und präsentiert jetzt in Überlingen sein Gesellenstück: Khalaf Murat mit seinem Schreibtisch.
Bild: Dieter Leder

        
Funktional ist auch das Gesellenstück von Benjamin Rogg: An seinen Wandschrank kann er praktischerweise sein Rennrad aufhängen.

Nicolas Pospischil setzt bei seinem modernen Schrank auf graues Linoleum. Der Aufsatz des Schreibtisches von Tristan Neumann war zunächst eckig geplant: "Da kann jetzt nichts mehr drauf abgestellt werden, was dort nicht hin gehört", erklärt er den praktischen Grund für sein rundes Design.

Der Schreibtisch von Florian Blumenstein besticht durch eine klare Form und eine naturschöne Schreibtischplatte mit geschliffener Baumrinde. Lukas Baader ist stolz auf sein zeitloses Sideboard mit Glasvitrine. Das Gesellenstück von Dominik Radocaj, ein freihängender Wandschrank, ist einmal mehr Ausdruck der schreinerlichen Kreativität.

Für gute Form wurden die Gesellen Neumann, Pospischil und Schwieder ausgezeichnet, von der Firma "Dr. Keller Holztechnik" gab es Preise für die Gesellen Schwieder und Baader.

"Ihr habt noch nicht ausgelernt", ermahnte Marc Gomeringer von der Prüfungskommission die jungen Gesellen und riet ihnen, nicht gleich den Meister zu machen: "Sammelt erst mal Erfahrung und geht auch mal in einen anderen Betrieb. Das Leben ist ein Überraschungsei."

Ausbildung zum Schreiner

Die Ausbildung zum Schreiner findet im dualen System statt: theoretische Kenntnisse über die Materialien, die Verarbeitung, Technologien sowie die mathematischen Grundlagen werden in der Berufsschule vermittelt, ebenso wie die Grundlagen zu technischen Plänen und Zeichnungen. Der Schwerpunkt der Ausbildung ist jedoch die Praxis, die findet im Meisterbetrieb statt. Nach drei Jahren Ausbildung ist man in der Lage, eigene Tische und Schränke zu fertigen. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehre erhält man den Gesellenbrief. (dle)

Informationen im Internet:
www.suedkurier.de/bilder


Dieter Leder, Südkurier Überlingen, 01.09.16 nach oben