> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 20. September 2016

 Gedanken an Gräbern

Jugendbegegnung der Jörg-Zürn-Gewerbeschule im slowakischen Bardejov - 19 Schüler arbeiten zwei Wochen auf Soldatenfriedhöfen und erleben Geschichte vor Ort

Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule waren bei einer Jugendbegegnung in der Slowakei. Hier pflegten sie Soldatenfriedhöfe.
Bild: Schule

Überlingen – Seit mehr als 20 Jahren fahren Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule für zwei Wochen in osteuropäische Länder, um sich mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen und an einem Projekt mitzuwirken. Dieses Mal pflegten die 19 Jugendlichen, im Schnitt 17 Jahre alt, im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung Soldatenfriedhöfe in der slowakischen Republik. Mit dabei waren Schüler des technischen Gymnasiums und der Berufsfachschule Holz. Die Aktion erfolgte wie in den Vorjahren in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Baden-Württemberg des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Mit der Jugendbegegnung wurde die Gewerbeschule ihrem Auftrag als Unesco-Projektschule gerecht. Hubert Gobs, einer der begleitenden Lehrer, erklärte: „Es war wieder eine besondere Erfahrung für unsere Schüler, Gleichaltrige eines anderen Landes kennenzulernen. Sie haben sich mit der Geschichte vor Ort auseinandergesetzt, die ein Unterricht nicht vermitteln kann.“ Neben Gobs begleiteten Markus Allgeier, Ralf Hübner und Anita Mess die Jugendlichen.

Das Team war in der historischen Altstadt von Bardejov in der Ostslowakei in der Nähe von Polen untergebracht. Der Stadtkern gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Im Mittelpunkt des Aufenthalts standen Arbeiten auf den deutschen Soldatenfriedhöfen in Zborov und Vysny Mirosov. Allein in Zborov ruhen 1194 Tote.

„Hier reinigten die Schüler die Grabsteine, ebneten Erde in Absenkungen ein und säten wieder ein.“ Sie strichen das zentrale Hochkreuz, das Eingangstor und den Zaun. Außerdem schnitten die jungen Menschen Hecken und Sträucher, passten Bretter am Holzzaun ein und montierten sie. Ergänzt wurde die Arbeit durch verschiedene Workshops nicht nur zum Thema Frieden, sondern auch, um die Kultur der Gastgeber, deren Sprache, Bräuche und nicht zuletzt die Gastgeber selbst kennenzulernen. Auch Ausflüge, unter anderem zum Duklapass, der im Zweiten Weltkrieg 1944 im Zuge der ostkarpatischen Operation durch die Rote Armee erobert wurde, standen auf dem Programm.

Auf dem Friedhof in Zborov strichen die Schüler unter anderem das Eingangstor
Bild: Schule

  
Bewegend war nach Gobs Worten eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung auf dem Friedhof Zborov mit Michal Bochin, zuständig für die deutschen Soldatenfriedhöfe in der Slowakei. Dabei konnten die Schüler ihre zuvor schriftlich verfassten Gedanken an den Gräbern niederlegen. „Viele unschuldige und sehr junge Menschen sind gestorben. Ich bin dankbar, hier sein zu dürfen und helfen zu können, diesen Teil der Geschichte als Zeichen für den Frieden zu bewahren“, zitierte Gobs einen dieser Gedanken. „Dass die Gewerbeschule internationale Jugendbegegnungen schon seit 1993 vornimmt, ist ein Zeichen dafür, dass Verständigung und interkulturelles Lernen und Engagement ein Ziel sind, das sich auch dann noch zu verfolgen lohnt, wenn man es wie unsere Gewerbeschule bereits lebt.“


Gewerbeschule
 
Die Jörg-Zürn-Gewerbeschule feierte vor vier Jahren ihr 175-jähriges Bestehen und ist damit eine der ältesten Gewerbeschulen Badens. Rund 700 Schüler werden von 60 Lehrkräften unterrichtet. Unter einem Dach sind die Gewerbliche Berufsschule, das Technische Gymnasium, Berufs- und Berufsfachschulen sowie drei Berufskollegs zusammengefasst. Einige Berufe werden nach dem klassischen dualen System (Betrieb und Schule) unterrichtet, andere im Vollzeitunterricht. Seit 1988 gehört die Schule mit weiteren 200 deutschen Schulen dem weltweiten Schulnetzwerk der Unesco-Projektschulen an. Diese Schulen orientieren sich innerhalb und außerhalb des Unterrichts an der Idee der Verständigung, des interkulturellen Lernens und einer nachhaltigen Lebensweise. Die Erziehung zum besseren Verständnis anderer Menschen und Kulturen in einer friedlichen, umweltgerechten Welt durch gemeinsames Handeln ist ein wichtiges Ziel. Seit 1993 nimmt die Schule an Jugendbegegnungen in Osteuropa im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge teil. (hk)

Holger Kleinstück, Südkurier Überlingen, 20.09.16  nach oben