> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 01. Juni 2016

Wenn Vergnügen zum Zwang wird

Beratungslehrerverband organisiert Vortrag und Workshop mit Kai Müller von der Universität Mainz

Überlingen – Die besten Referenten sind für sie gerade gut genug. Erhard Holler und Hansjörg Straub vom baden-württembergischen Beratungslehrerverband holten schon den Neurowissenschaftler und Bestsellerautor Manfred Spitzer nach Überlingen, den dänischen Familientherapeuten Jesper Juul oder den Freiburger Mediziner und Psychologen Joachim Bauer. Bei ihrer sechsten Veranstaltung, mit der sie Lehrer, Eltern und Jugendliche ansprechen, geht es um Spiel- und Internetsucht - wie man sie erkennen, wie man damit umgehen kann.

Zwar kein neues Thema, doch ein Thema, das aus Sicht der Pädagogen brisanter ist denn je. Als Experten dafür gewannen sie Kai Müller von der Ambulanz für Spielsucht an der Universität Mainz, der am Freitag, 3. Juni, in der Aula des Salem College einen Vortrag halten wird (19.30 Uhr). Ein Workshop zum Thema findet am Samstag, 4. Juni, in der Schulgemeinschaft Brachenreuthe statt (9-13 Uhr).

„Schon seit zehn Jahren mehren sich die Fälle von Betroffenen, die von einem unkontrollierten Nutzungsverhalten am Computer berichten“, betonen Holler und Straub. Dies gehe oft einher mit einer Einschränkung der eigenen Lebensführung, einem psychischen Leidensdruck und einem Verlust an echten sozialen Kontakten. „Vieles spielt sich nur noch im virtuellen Raum ab“, sagt Straub. Beide kennen Extremfälle, in denen nur Mitschüler es schafften, die Betroffenen morgens in die Schule zu bringen.

„Nicht nur Eltern sind oft hilflos“, erklärt Erhard Holler. „Auch die Kollegen stellen es sich zu einfach vor.“

Als Vertreter des Beratungslehrerverbands setzen sich Hansjörg Straub (li.) und Erhard Holler mit aktuellen pädagogische Fragen auseinander.
Bild: Hanspeter Walter

   
Mit besserwisserischen Direktiven erreiche man die Jugendlichen gar nicht. „Man muss sich mit der Problematik auseinandersetzen.“ Dann gelte es die Persönlichkeit zu stärken, den Wert sozialer Kontakte zu vermitteln – dies beginne mit gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie. Gefahr im Verzug sei, wenn Jugendliche ihr Essen mit aufs Zimmer nähmen. Wertvolle Hinweise und Tipps versprechen sie sich von Fachmann Kai Müller und dessen Kollegen Klaus Wölfling, die konkrete Ratschläge zum Umgang mit dem Thema geben können.

Informationen im Internet:
www.beratungslehrerverband.de


Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 01.06.16 nach oben